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Vereinigtes Königreich

Britischer Premier vor Verabschiedung

Foto: Paul Ellis/Pool via REUTERS
Noch vor kurzem demonstrierten sie Übereinstimmung: Manchesters Bürgermeister Burnham und Premier Starmer (v. l., Ashton-under-Lyne, 13.4.2026)

Großbritannien blickt mit Spannung auf den kleinen Wahlkreis Makerfield im Nordwesten des Landes. Einst eine Labour-Hochburg, hat bei den Gemeinderatswahlen in der vergangenen Woche die rechte Partei Reform UK in allen Wahlbezirken von Makerfield die Mehrheit erhalten. Von dort stammt Andy Burnham, gegenwärtig Bürgermeister von Manchester. Er möchte in Makerfield fürs Parlament kandidieren, um gegen Keir Starmer als Labour-Chef antreten zu können.

Zuletzt hatten sich die Ereignisse überschlagen: Nach den desaströsen Wahlergebnissen für Labour in England, Schottland und Wales wurden die Stimmen, die einen Rücktritt Starmers fordern, lauter. Am Donnerstag trat Gesundheitsminister Wes Streeting zurück und kündigte an, Unterstützung für seine Kandidatur zum Parteivorsitz zu sammeln. Labour hat 403 Abgeordnete – er bräuchte die Unterstützung von 20 Prozent. Streeting, der rechts von Starmer steht, hatte bis Redaktionsschluss diese 81 Unterstützer nicht gewonnen. Interesse an einer Kandidatur hat auch Angela Rayner gezeigt, die links von Starmer einzuordnen ist. Im September war sie als seine Stellvertreterin zurückgetreten, da die Finanzbehörde gegen sie ermittelte. Donnerstag gab sie bekannt, dass alle Vorwürfe fallengelassen wurden.

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Als aussichtsreichster Kandidat gilt Burnham. Am Donnerstag wurde bekannt, dass der Makerfielder Labour-Abgeordnete Josh Simons seinen Sitz im Londoner Unterhaus niederlegen möchte, damit Burnham ihn per Nachwahl erringen kann. Das ist nötig, um schließlich auch gegen Starmer antreten zu können. Auf BBC Radio Manchester erklärte Simons: »Alles ging sehr rasch. Ich hätte zu Andy auch einfach nein sagen können. Aber ich sehe, dass Labour auseinanderbricht und es in diesem Zustand keine Hoffnung mehr für die Partei gibt.« Am Freitag schrieb Streeting auf X, dass er Burnham unterstützen werde: »Wir brauchen die besten Spieler auf dem Feld.« Auch die stellvertretende Labour-Chefin Lucy Powell lobte Burnham beim Treffen der Feuerwehrgewerkschaft am Freitag. Michael Jacobs von der University of Sheffield sagte in der BBC: »Manchester unter Burnham ist eine Erfolgsgeschichte.«

Burnham wurde in Manchester zweimal wiedergewählt – zuletzt mit zwei Dritteln der Stimmen. Doch es wird nicht einfach: Schon bei den letzten Parlamentswahlen hatte Reform UK in Makerfield 32 Prozent der Stimmen bekommen. Die Nachwahl muss zwischen dem 18. und dem 25. Juni stattfinden. Reform-UK-Chef Nigel Farage kündigte an, »alles auf diese Nachwahlen zu setzen«. Sein Stellvertreter Richard Tice sagte, die Partei wolle zeigen, »wer der König des Nordens ist« und anschließend auch den Bürgermeistersitz in Manchester erlangen. Denn um als Abgeordneter anzutreten, muss Burnham sein Amt niederlegen.

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Erschienen in der Ausgabe vom 16.05.2026, Seite 6, Ausland

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