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Nachschlag: Der rote Punkt

→ Schindlers Liste | So., 20.15 Uhr, Arte

Foto: IMAGO/Mary Evans
Die Schoah war konkret

Was Lanzmann an Spielbergs Versuch kritisiert hatte, scheint in »Zone of Interest« beherzigt worden: Das Unzeigbare wird dort nicht gezeigt. »Son of Saul«, jene todtraurige Antigone-Variante, visualisiert sein Subjekt, Saul sieht das Grauen unscharf, so allein kann er seine grauenhafte Pflicht tun. »Schindlers Liste« trägt einfach zu dick auf, musikalisch und szenisch. Der ganze Film in Schwarzweiß: irgendwas zwischen abgeschmackt und reißerisch. Doch es sind die kleinen Dinge manchmal. Das rot retuschierte Mädchen, dem Schindler zweimal begegnet, spielt auf eine Zeugenaussage im Eichmann-Prozess an. Ein Überlebender berichtete dort von der obligatorischen Familientrennung gleich nach Ankunft in Auschwitz. Seine Tochter trug an dem Tag rote Kleidung, weshalb er sie noch lange sehen konnte. Und »so wie dieser rote Punkt immer kleiner wurde, so verschwand meine Familie aus meinem Leben«. Die Schoah, heute nurmehr abstrakt als zweckgerichtete Erinnerungs­agenda oder »Antisemitismuskeule« in den Hirnen, war konkret. (fb)

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Erschienen in der Ausgabe vom 28.04.2026, Seite 14, Feuilleton

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