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27.04.2026
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Habitat der Gewalt
Attentat auf Trump
Klappe, die dritte: Erneut ist in den Vereinigten Staaten ein Anschlag verübt worden, der mutmaßlich Donald Trump unter die Erde bringen sollte. Hatte im Juli 2024 ein Attentäter bei einer Wahlkampfveranstaltung auf den Kandidaten gezielt, während ein anderer ihn zwei Monate danach in seinem Golfklub in Florida erschießen wollte, so drang diesmal ein schwer bewaffneter Mann in das Washington Hilton ein, wo sich der US-Präsident sowie diverse Mitglieder seiner Regierung zum Galadinner für die Medienkorrespondenten versammelt hatten. Der Täter kam nicht weit, wurde sofort gefasst; laut ersten Berichten blieb es bei einem Verletzten. Der Täter? Ein 31jähriger Mann aus einem Vorort von Los Angeles. Sein Motiv? Unklar.
Attentate und Attentatsversuche gegen Präsidenten sind in den USA nicht neu; exakt vor dem Washington Hilton versuchte im März 1981 ein 25jähriger, Präsident Ronald Reagan zu erschießen, Reagan überlebte bekanntlich. Drei Anschläge aber auf dieselbe Person innerhalb von nur zwei Jahren – das hat es so auch in den USA noch nicht gegeben. Die Anschläge kommen aus einer Gesellschaft, die zerrüttet, zutiefst gespalten, politisch extrem polarisiert ist. Die Armut nimmt ebenso zu wie der obszöne Luxus der Superreichen; Waffengewalt ist verbreitet; die Rechte hat sich in den vergangenen Jahren systematisch radikalisiert, gefördert übrigens – wen wundert’s? – von einigen aus der US-Milliardärskaste, die heute ein Dutzend Regierungsmitglieder stellt. Rassistische, chauvinistische Haltungen aller Art grassieren.
Die Trump-Regierung treibt die Entwicklung mit aller Macht voran, fördert rassistische Staatsgewalt, amnestiert faschistische Schläger, lässt Gegner unter Vorwänden von der Justiz verfolgen; sogar über Eingriffe in Wahlen wird diskutiert: All dies reißt Hemmschwellen in rasanter Folge nieder. In einer Umfrage im September 2025 waren sich 94 Prozent aller Befragten weitgehend einig, dass die ungebremst ausufernde politische Unkultur im Land die Eskalation der Gewalt fördere: Was auch sonst, sollte man meinen. Da dies aber offenkundig Teil der Regierungspolitik ist, bleibt nur die Frage, wohin die Reise die Vereinigten Staaten führt. Man darf vermuten, dass Trump auf Gewalt mit neuer Repression, mit noch mehr Autoritarismus antworten wird. Zohran Mamdani hat Trump einst als Faschisten eingestuft. Ob er damit recht hatte, wird man noch sehen.
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