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Aus: Ausgabe vom 24.04.2026, Seite 1 / Ansichten

Vollgas im Rückwärtsgang

Bundestag für ­Biokraftstoffe
Von Wolfgang Pomrehn
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Geht es eigentlich noch bornierter, noch rückständiger? Wären die Folgen für Klima, Geldbeutel, Gesundheit und Landwirtschaft nicht so katastrophal, könnte man nur noch lachen. Aber der Reihe nach: Der Bundestag hat am Donnerstag die Weichen für mehr Essen im Tank gestellt. Die Beimischungsquoten für sogenannte Biokraftstoffe sollen schrittweise bis 2040 auf 65 Prozent angehoben werden. Das heißt, 65 Prozent des Kraftstoffs muss dann aus Abfällen, sogenannten E-Fuels oder nachwachsenden Rohstoffen kommen. Der Platz dieses kleinen Kommentars reicht kaum, den ganzen Wahnsinn aufzuzählen, der darin steckt.

Erstens wäre der Flächenverbrauch gewaltig, was auf die Nahrungsmittelpreise drücken und den Einsatz von Düngemitteln und Pestiziden weiter verstärken wird. Zweitens bliebe der Verkehr auch mit 35 Prozent Mineralölanteil weiter vom krisenanfälligen Rohölpreis abhängig. Eigentlich sollte die gegenwärtige Energiekrise auch dem letzten deutlich gemacht haben, dass der Verkehr elektrifiziert und viel stärker kollektiviert werden muss. Drittens ist die Verwendung von mit elektrischer Energie synthetisierten E-Fuels im Straßenverkehr so sinnvoll wie das Fällen von Bäumen mit Steinäxten. Der Grund: Würde man den Strom direkt in einem Elektromotor einsetzen, würde man nicht einmal ein Viertel der Energie benötigen.

Viertens ist die angebliche Klimaneutralität der angeblichen Biokraftstoffe bloße Augenwischerei. Der Energieaufwand für Anbau, Ernte und Aufbereitung bleibt ebenso außer acht, wie die Emissionen des sehr potenten Treibhausgases Lachgas (Distickstoffmonoxid) die beim Einsatz von Stickstoffdünger entstehen. Fünftens sorgt das verabschiedete Gesetz schließlich auch für eine Lebensverlängerung des Individualverkehrs und der Verbrennermotoren auf unseren Straßen. Das heißt weiter ein paar Tausend Unfallopfer im Jahr, weiter Zehntausende, die jährlich an Straßenlärm, Feinstaub und Stickoxiden sterben. Weiter zugeparkte Straßen, auf denen Fußgänger bestenfalls geduldet sind und Kleinkinder sich nicht frei bewegen können. Ein Steinzeitgesetz eben.

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