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Aus: Ausgabe vom 21.04.2026, Seite 2 / Ansichten

Unschärferelationen

Straße von Hormus Kopie.jpg

Sie ist tot, sie lebt, er bewegt sich, er steckt fest, sie ist offen, sie ist gesperrt. Die Antwort auf die Frage zum Zustand der Straße von Hormus ist wie die nach dem Zustand des Wals vor der deutschen Ostseeküste oder die nach dem von Schrödingers Katze: Nichts Genaues weiß man nicht. Die Unschärfe nervt und lässt hiesige Unken weiter schwarzsehen. So wird das nichts mit dem Aufschwung. Der US-Präsident kündigt derweil weitere Verhandlungen mit dem Iran an, dort will man davon nichts wissen. Und so quält sich der Konflikt in die nächste Woche wie der Kommentator mit seinem Gegenstand.

»Am Persischen Golf herrscht eine Drôle de guerre«, hat die NZZ herausgefunden; »ein seltsamer Ruhezustand trotz fehlendem Frieden: Die Waffen schweigen, aber die Ursachen des Krieges sind keineswegs beseitigt.« Und die liegen ausschließlich beim Iran, weshalb die USA in ihrem Agieren im Recht sind: »Washington verlangt letztlich nur, dass sich Iran wie ein normales Mitglied der Staatengemeinschaft benimmt. Sein islamistisches Regime kann an der Macht bleiben. Sofern es nur aufhört, mit seinen Raketen und Drohnen, seinem Atomprogramm und den Tentakeln seiner schiitischen Hilfstruppen sämtliche Nachbarn in der Region einzuschüchtern.«

Schlechte Manieren sieht aber die Süddeutsche Zeitung durchaus auch auf seiten der Regierungsmannschaft in den Vereinigten Staaten. Das entstandene »Großdesaster« hat niemand mehr im Griff. »Von europäischer Sicherheitspolitik zu sprechen ist ein genauso großer Euphemismus wie von amerikanischer Sicherheitspolitik zu reden. Alle improvisieren nur.« Immerhin – diese Weltlage hat, auch wenn es der Redaktion in München nicht schmeckt, ein paar Nutznießer: In Moskau freut sich »ein kriegstreiberischer Diktator« über gestiegene Ölpreise und darüber, dass »die NATO einen Nagel nach dem anderen in ihren eigenen Sarg schlägt«; in Beijing wiederum ein »Regime«, das »gelassen zuschaut, wie der größte strategische Rivale sich selbst demontiert«.

Das alles kann Deutsch-Europa nicht gleichgültig sein. Lamento beim Tagesspiegel: »Die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt (…) leidet überproportional unter dem globalen ökonomischen Schock, den die Blockade des Persischen Golfs ausgelöst hat«, und außerdem lehrt die Erfahrung, »dass neue Fluchtbewegungen Richtung Europa Deutschland überdurchschnittlich treffen würden«. Schlussfolgerung: »Es ist unser Kriegsproblem.« Auflösung: »Es ist Zeit für einen besseren deutsch-europäischen Anlauf für eine Friedenslösung.« So einfach geht folgenlose Politikberatung. (brat)

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