Naher Osten: Kriege treffen besonders Frauen
Seit Anfang März 2026 hat der Krieg im Libanon und im gesamten Nahen Osten die humanitäre Krise besonders für Frauen weiter verschärft. Das erklärte »Euromed Rights«, ein Netzwerk von 68 Menschenrechtsorganisationen, am Mittwoch in einer Stellungnahme. In der gesamten Region machten Frauen und Mädchen einen erheblichen Anteil der gemeldeten Opfer der jüngsten Gewalttaten aus. Sie seien überproportional von Vertreibungen, dem Zusammenbruch von Versorgungsleistungen und einer erhöhten Gefährdung durch geschlechtsspezifische Gewalt betroffen, heißt es weiter.
Im Libanon wurden demnach mehr als 1,2 Millionen Menschen vertrieben, darunter schätzungsweise 620.000 Frauen und Mädchen, was fast einem Viertel der weiblichen Bevölkerung des Landes entspricht. Darunter befänden sich rund 13.500 Schwangere, von denen schätzungsweise 1.500 innerhalb der nächsten 30 Tage entbinden werden. Viele, darunter 1.700 Schwangere im Südlibanon, seien derzeit von der notwendigen Versorgung abgeschnitten, da Gesundheitseinrichtungen unter Beschuss stehen. Im gesamten Nahen Osten seien mehr als 18 Millionen Frauen und Mädchen aufgrund von Unsicherheit, Vertreibung und dem Zusammenbruch schützender Strukturen einem erhöhten Risiko geschlechtsspezifischer Gewalt ausgesetzt.
Auch in Gaza sei die Lage weiterhin katastrophal, kritisiert das Netzwerk. Frauen und Mädchen machten fast die Hälfte der zivilen Opfer aus. Die Geburtenrate bei Jugendlichen habe sich im Vergleich zum Vorkriegsniveau mehr als verdoppelt. Mehr als 260 Gesundheitseinrichtungen und 14 mobile medizinische Einheiten seien in Gaza, im Libanon und darüber hinaus geschlossen worden, was den Zugang zu Gesundheitsversorgung stark einschränkt.
Die Unterbrechung der Schulbildung von Mädchen berge zudem die Gefahr, dass eine »verlorene Generation« entstehe, was die Wahrscheinlichkeit von Früh- und Zwangsehen, Kinderarbeit und lebenslanger wirtschaftlicher Marginalisierung erhöhe. Außerdem werde der Krieg die regionalen Volkswirtschaften voraussichtlich zwischen 120 und 194 Milliarden US-Dollar kosten. Frauen – die ohnehin in der informellen Beschäftigung überrepräsentiert sind und durchschnittlich 4,2 Stunden pro Tag mit unbezahlter Pflegearbeit verbringen – seien dem Verlust ihrer Existenzgrundlage und einem gesteigerten Armutsrisiko ausgesetzt. Die Organisationen fordern »koordinierte Bemühungen zum Schutz der Rechte, der Würde und der Sicherheit aller Frauen und Mädchen im Libanon, im Gazastreifen, in Syrien und in der gesamten Region«. (jW)
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