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17.04.20262 Leserbriefe
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Gemeinsam streiken
Warum Aufklärung allein nicht ausreicht. Eine Stellungnahme zu den Schulstreiks gegen die Wehrpflicht und zur Kritik von Ole Nymoen und Simon David Dressler in der Berliner Zeitung
Am 5. März sind erneut mehr als 50.000 Schülerinnen und Schüler auf die Straße gegangen, um gegen die Wiedereinführung der Wehrpflicht zu streiken. Dass dies erneut gelang, obwohl das »Wehrdienstmodernisierungsgesetz« bereits beschlossen wurde und obwohl die Bewegung diesmal in der Presse weniger Aufmerksamkeit erhielt, muss als großer Erfolg gewertet werden.
Ole Nymoen und Simon David Dressler allerdings haben an der strategischen Ausrichtung der Schulstreiks etwas auszusetzen. In einem Gastbeitrag für die Berliner Zeitung haben die beiden linken Podcaster am 4. März Kritik geübt, die sich explizit gegen die SDAJ richtete. Als Fehler gilt den beiden, dass Forderungen an die Regierung gestellt würden. Der Vorwurf lautet auf »konstruktive Bittstellerei« an den Staat, der so »zum Subjekt dieser Streiks« werde, und »nicht etwa die Jugend, die nicht sterben will«. Diese Strategie, wie sie insbesondere die SDAJ vertrete, sei »zynisch und instrumentell«, denn deren Vertreter wüssten ja, dass die erhobenen Forderungen nicht erfüllt würden.
Dressler und Nymoen schreiben: »Die Bundesregierung hat kein Interesse an einer starken Erhöhung der Bildungs- oder Sozialausgaben, sondern will ihre Durchschlagskraft in der globalen Staatenkonkurrenz durch das größte Aufrüstungsprogramm seit dem Dritten Reich sichern.« Dass Staat und Monopole in ihrer Gesamtheit und die in ihrem Interesse agierende Regierung kein Interesse an einer solchen Erhöhung haben, können wir tagtäglich spüren: Das sogenannte Bürgergeld soll nun noch einfacher und drastischer gekürzt werden können. Gleichzeitig herrscht an deutschen Schulen ein Sanierungsstau von 50 Milliarden Euro. Das hat wenig damit zu tun, dass Friedrich Merz die Bevölkerung persönlich einfach egal ist, sondern damit, dass im Kapitalismus das Profitprinzip herrscht. Damit verknüpft ist ein Staat, der seine Ausgaben, zumindest diejenigen, die der breiten Bevölkerung nutzen könnten, schmal hält.
Der bürgerliche Staat ist im staatsmonopolistischen Kapitalismus gezwungen, die besten Verwertungsbedingungen für die Monopole zu schaffen. Dazu gehört durchaus, ein Mindestmaß an öffentlicher Infrastruktur zur Verfügung zu stellen, damit die Beschäftigten morgens zur Arbeit fahren können und nicht von der nächsten Seuche dahingerafft werden. Außerdem dient die Aufrechterhaltung der Infrastruktur in einem gewissen Maß auch der Befriedung und Integration der Bevölkerung. Was darüber hinaus durchgesetzt wird, ist eine Frage des Kräfteverhältnisses zwischen den kämpfenden Klassen. Der Staat kann durchaus zur Durchsetzung gewisser Forderungen gezwungen werden, wenn er andernfalls die Integration der Bevölkerung nicht im notwendigen Maße absichern kann.
Aber dieser Integration durch Zugeständnisse müssen wir entgegenwirken. Denn selbstredend ist der Kapitalismus nicht durch das Erkämpfen immer weiterer Forderungen unendlich reformierbar. Für eine umfassende und dauerhafte Durchsetzung unserer Interessen müssen wir den Sozialismus erkämpfen. Das ist eine Erkenntnis, die wir verbreiten wollen, doch gleichzeitig darf uns das nicht davon abhalten, im Hier und Jetzt für unsere Interessen einzustehen, ganz im Sinne von Karl Marx, der sagte, »dass die ganze Entwicklung der modernen Industrie die Waagschale immer mehr zugunsten des Kapitalisten und gegen den Arbeiter neigen muss und dass es folglich die allgemeine Tendenz der kapitalistischen Produktion ist, den durchschnittlichen Lohnstandard nicht zu heben, sondern zu senken oder den Wert der Arbeit mehr oder weniger bis zu seiner Minimalgrenze zu drücken. Da nun die Tendenz der Dinge in diesem System solcher Natur ist, besagt das etwa, dass die Arbeiterklasse auf ihren Widerstand gegen die Gewalttaten des Kapitals verzichten und ihre Versuche aufgeben soll, die gelegentlichen Chancen zur vorübergehenden Besserung ihrer Lage auf die bestmögliche Weise auszunutzen? Täte sie das, sie würde degradiert werden zu einer unterschiedslosen Masse ruinierter armer Teufel, denen keine Erlösung mehr hilft«. Welche Forderungen umsetzbar sind und welche über den Kapitalismus hinausweisen, beantwortet sich erst von Fall zu Fall – in der Praxis.
Dabei darf natürlich nicht davon ausgegangen werden, dass der Staat ein neutrales Feld darstellt, auf dem mal das Kapital und mal die Beherrschten einen Sieg davontragen. Er ist ein Klassenstaat. Doch auch wenn er die Interessen der gegnerischen Klasse vertritt, müssen wir als lernende Jugend seine Existenz anerkennen. Dabei stellen wir – anders als von Nymoen und Dressler behauptet – keine Forderungen an den Staat im Sinne von Bittstellern. Allein die Kampfform der Schulstreiks zeigt ja bereits, dass hier der alltägliche Rahmen verlassen werden muss, dass der normale Unterrichtsablauf gestört werden muss, um den Forderungen Ausdruck zu verleihen – worauf der Staat und seine Organe im Übrigen bereits mit entsprechenden Repressionen reagieren. Und ebenso ist es Unsinn, wenn die beiden Autoren unterstellen, dass wir uns gern für Kapitalinteressen zum Kriegsdienst zwingen lassen, wenn nur unsere Schultoiletten endlich repariert werden. Wir wollen sichere und gute Lern-, Arbeits- und Lebensbedingungen – das heißt »ja« zu intakten Schulgebäuden, »nein« zur Wehrpflicht.
Es geht dabei also keineswegs um eine Instrumentalisierung der Schüler oder eine Unehrlichkeit, wie es Nymoen und Dressler behaupten. Welche Forderungen umsetzbar sind, lässt sich nicht pauschal sagen. Doch mit der Gegenüberstellung der Forderung gegen die Wehrpflicht und für mehr Geld für Bildung lassen sich unsere Erfahrungen, die wir mit einem Großteil der Schüler dieses Landes teilen, wonach für unsere Interessen kein Geld da ist, aufgreifen und deutlich machen, dass der Staat für anderes, das im Interesse der herrschenden Klasse liegt, sehr wohl die Mittel zur Verfügung hat. Mit den aufgestellten Forderungen lässt sich deutlich machen, dass die Jugend ihr Recht auf gute Bildung, sichere Lebensbedingungen und erbauliche Zukunftsperspektiven erkämpfen muss.
Wir als SDAJ sind Teil dieser Jugend und setzen unsere Kraft zur Durchsetzung dieser Forderungen ein. Wir sind bereit, ernsthaft mit allen, die es ebenso ehrlich meinen, dafür zu kämpfen. Und wenn in diesen Kämpfen die Erfahrung gemacht wird, dass die Erfüllung unserer Forderungen nicht einfach so erfolgt und selbst im konsequenten Kampf nicht umfassend errungen werden kann, dann ist es die Aufgabe der fortschrittlichen Kräfte, deutlich zu machen, dass für deren Umsetzung und Sicherung die bessere Organisierung und Bündelung unserer Kräfte und, ja, letztendlich die Überwindung des Kapitalismus notwendig ist.
Dabei verschweigen wir als SDAJ unseren revolutionären Charakter nicht, wollen jedoch die Bewegung auch nicht zu einer antikapitalistischen Bewegung verengen, bei der nur Antikapitalisten mitmachen dürfen. Vielmehr wollen wir die Bewegung durch unsere Erfahrungen und Analysen stärken – ohne unsere Mitkämpfer nur danach auszusuchen, ob sie ebenfalls Sozialisten sind. Das gemeinsame Ziel ist die Verhinderung der Wehrpflicht – und dies wird weder durch Bittstellerei erreicht noch durch bloße Aufklärung der Schüler über den Charakter des Staates – sondern nur im gemeinsamen und zielgerichteten Kampf. So lässt sich auch die hilflose Perspektive Nymoens und Dresslers überwinden, die sich in ihrer Rolle als »intellektuelle« Kommentatoren gefallen, jedoch jede Antwort schuldig bleiben, wie man sich ohne Kampf dem »autoritären Zugriff des Staates« entziehen kann.
Das Staatsverständnis der SDAJ
Im Zukunftspapier, der programmatischen Grundlage der SDAJ, legen wir an verschiedenen Stellen unser Staatsverständnis dar: »Der Staat ist (…) ›ideeller Gesamtkapitalist‹ und vertritt das Gesamtinteresse der Kapitalistenklasse. Seine grundlegende Aufgabe besteht in der Sicherung der allgemeinen Existenzbedingungen des Kapitalismus mit Hilfe der öffentlichen Gewalt. Zu diesen Existenzbedingungen gehört auch der im Grundgesetz festgehaltene Schutz des Privateigentums an Produktionsmitteln, also an Unternehmen. Der Staat muss heute ständig in die Wirtschaft eingreifen, um die Monopolprofite abzusichern und zu erhöhen. Ob öffentliche Infrastruktur privatisiert wird, Steuermilliarden in die Kassen der Großkonzerne gehen, Freihandelsabkommen abgeschlossen werden, massiv aufgerüstet wird oder soziale und demokratische Rechte abgebaut werden: Die Monopole nutzen ihren Staat, um ihre Produktionsbedingungen in Deutschland, die Investitionsmöglichkeiten in anderen Ländern oder den Zugang zu anderen Märkten zu verbessern.« Und: »Staat und Regierung machen unentwegt Politik gegen die Interessen von Arbeiter*innen, Erwerbslosen, Schüler*innen, Auszubildenden und Studierenden – im Interesse des Kapitals. Nach außen hin nutzt Deutschland diese Offensive für den erneuten Griff nach der Weltmacht.« Daraus wird ersichtlich, dass die SDAJ den deutschen Staat als einen bürgerlichen Staat charakterisiert, der wie alle Staaten in einer in Klassen gespaltenen Gesellschaft eben ein Klassenstaat ist. Damit schwebt er nicht neutral über den Klassen, sondern agiert im Sinne der herrschenden Klasse. Im staatsmonopolistischen Kapitalismus ist das die Kapitalistenklasse, innerhalb derer die Monopole bestimmend sind. (sdaj)
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Manfred Pohlmann 20. Apr. 2026 um 10:46 UhrIm Interview mit M. Lanz saßen der Blogger Ole Nymoen, zwei Bundeswehr-Ladies und ein gymnasialer 12.-Klässler in einer Runde. Zusammen mit Lanz waren vier TN für die Wehrpflicht, weil es »ein Genuss ist, in diesem Lande zu leben«, seine Werte zu verteidigen und die beruflichen Aussichten für die Jugend so positiv seien. Damit sei eigentlich genug gesagt, diesen »unseren« Staat auch mit der Waffe in der Hand zu verteidigen. Die Videoeinspieler aus dem Bundeswehr-Werbefundus zeigten, wie körperlich fit man/frau sein muss und wie nachhaltig nährend und wertvoll die Überwindung des inneren Schweinehundes bei extremer Belastung sei. Um nicht doch irgendwann in einem Schützengraben liegen zu müssen, sei es zudem wichtig, die Hochrüstung extrem auszuweiten, damit es gar nicht erst zu einem Krieg kommt. Die entscheidende Falle, in die auch der Antimilitarist Ole gelaufen ist, war einfach auszumachen. Offenbar war keinem der TN überhaupt bewusst, welche Rolle ein Staat und dessen Organe und besonders das Militär in einem Klassenstaat überhaupt spielen. Wir erleben zurzeit genau wie vor dem ersten und zweiten WK ein vergleichbares Miteinander von zunehmender Aggressivität nach außen und einem autoritären antidemokratischen Umbau unserer Gesellschaft nach innen. Werner Hofmann machte bereits 1966 darauf aufmerksam: »Wohin man heute blickt, die Privatwirtschaft mischt in Bonn mit, bis in die Auseinandersetzungen der Regierungen hinein. Was wiegen da alle Deklamationen im Bundestag gegen die Willensbekundungen etwa des Bundesverbandes der Deutschen Industrie, was vermag ein Finanzminister gegen den olympischen Wink eines Hermann Abs, des Vorsitzenden des Vorstandes der Deutschen Bank. Mit vollem Recht hat Fritz Berg, der Präsident des Industriellenverbandes, schon vor Jahren es öffentlich aussprechen können: ›Dieser Staat ist unser Staat. Wir müssen zu diesem Staat stehen.‹ So belehrt ein überwältigender Augenschein den, der unbefangen in unsere Welt blickt, über die wahren Machtverhältnisse in unserem Lande. Konsequent sah er die staatliche Gewalt, die ›der Verfassung nach vom Volke ausgeht‹, seit längerem vom Volke ziemlich weit entfernt. Sie steht heute im Begriff, sich gegen das Volk selbst zu kehren.« (Prof. Werner Hofmann, »Kongress Notstand der Demokratie«, in: »elan«, Nr. 12/66, Beilage S. 8) So richtig in Fahrt gekommen waren die Volksvertreter im Bundestag aber schon 1951, als es eine breite Bewegung gegen die Wiederbewaffnung und für den Abschluss eines Friedensvertrages gab. 1700 Delegierte aus allen Teilen der BRD forderten seinerzeit eine Volksbefragung über diese Fragen! Als daraufhin die Befragungen begannen, reagierte die Regierung unter anderem auf Betreiben der SPD-Fraktion mit einem Verbot: »Am 24.04.1951 verbietet die Regierung die Volksbefragung mit der Begründung, sie stelle ›einen Angriff auf die verfassungsmäßige Ordnung des Bundes dar‹.« (Zit. bei K. H. Reichel, »Wie macht man Kriege, wie macht man Frieden?« S. 203) H.-J. von Meerkatz (CDU) brachte es auf den Punkt: »Dieser verdammte Rummel um die Remilitarisierung, den die Kommunisten aufgezogen haben, ist ein Verbrechen am deutschen Volk, schon deshalb, weil es keine Remilitarisierung gibt.« (139. Sitzung des Bundestages, 26.04.1951, zitiert in: »4 Jahre Bundestag«, Handbuch der Bundestagsfraktion der KPD, o.J. S. 14) Daran und im Vergleich zu heute erkennt man leicht die Vertrottelung der Bourgeoisie bei gleichzeitiger Verdummung der Massen. Da hilft nur eins: »Mach’ mit bei uns in der SDAJ.« So klang es in den 80ern durch »Peter Paul und Barmbek«.
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Mario Primavesi/Prima*vero 17. Apr. 2026 um 11:22 Uhr»Gemeinsamer und zielgerichteter Kampf«, welcher sich von der Bewegung her gegen statt für etwas richtet, wird immer exakt das zum Subjekt machen, was er bekämpft. Und er wird sowohl die zu Objekten machen, die da »kämpfen« als auch die,die die da bekämpft werden. Jedes (!) »A-« wird unweigerlich Proxyziele ins Visier/aufs Korn nehmen (müssen), weil nur »gegen etwas« zu sein ein Kampf gegen (das) Nicht(s) ist und dahinter noch was kommt. Das ist fataler als der Kampf gegen Windmühlen. Auch ihr diffuses »Sozialismus« ist kein Positiv. Was erkennbar ist an Ihrer divi-dualistischen Wir-Und-Die-Gruppenschaffung, welche Sie dann oxymoron doch wieder und leider nur scheinbar »öffnen«. Militaristischer Antimilitarismus öffnet ebenso wie der militaristische Militarismus die Pforten zur Hölle auf Erden. Klingt das jetzt »hilflos« und pseudo-intellektuell? An wessen Haltung liegt das? Ist Bildung »Hilflosigkeit, die überwunden werden muss«?
Das Verwaltungsgericht Berlin hat entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jahrlichen Verfassungsschutzberichten erwahnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden.
In unseren Augen ist das Urteil eine Einschränkung der Meinungs- und Pressefreiheit in der Bundesrepublik. Aber auch umgekehrt wird Bürgerinnen und Bürgern erschwert, sich aus verschiedenen Quellen frei zu informieren.
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