Aus: Ausgabe vom 23.10.2017, Seite 11 / Feuilleton

Wenn die Hunde bellen, Sancho

Revolution hat Zukunft! Eine Konferenz von DKP, SDAJ und RotFuchs in Berlin

Von Peter Merg

Welthistorisch lächerliche 100 Jahre nach der Oktoberrevolution haben Faschisten wieder Auftrieb. Das in seiner soundsovielten Schwundstufe befindliche liberale Bürgertum will hilflos diskutieren, und die einzige deutsche Partei, die den Anspruch erheben kann, eine kommunistische zu sein, erhält bundesweit keine 12.000 Stimmen. Angesichts dessen klingt die Behauptung »Revolution hat Zukunft!« wie ein fiebriger Wunschtraum.

Dennoch versammelten sich am Samstag unter diesem Motto mehrere hundert Menschen im Kino »Babylon« am Rosa-Luxemburg-Platz in Berlin. Eingeladen hatten besagte DKP, deren Jugendorganisation SDAJ und der RotFuchs-Förderverein. »Keine Gedenkveranstaltung« sollte es sein, betonte eingangs der Parteivorsitzende Patrik Köbele. Und trotz allem kämpferischen Pathos, das die von Erich Schaffner, Achim Bigus und anderen so gänsehautsicher vorgetragenen Partisanen- und Arbeiterlieder verbreiteten, machte sich hier niemand Illusionen über den Anbruch einer neuen Morgenröte. Es ging darum, die Reihen derer zu schließen, die noch immer »dem Scheißhaufen Kapitalismus die Existenzberechtigung absprechen« (Schernikau) und darauf einzuschwören, dass Niederlage und Schwäche nicht bedeuten, Unrecht zu haben.

»Ich biete keine neue Perspektive, die bolschewistische gilt ja noch«, erklärte Dietmar Dath zu Beginn seines Beitrages und fasste damit trocken-treffend die Botschaft aller Redner zusammen, bevor er Konterrevolutionäre wie Peter Sloterdijk und Herfried Münkler, einem neuen »Philosophenschiff« gleich, in einen Flixbus in die Schweiz wünschte. Götz Dieckmann (Rotfuchs) hatte da bereits die objektive geopolitische Verantwortung der deutschen Arbeiterklasse betont, Bruno Mahlow (Die Linke) die ewige sozialdemokratische Kompromissbereitschaft gegenüber dem Kapital angeprangert und Carolus Wimmer (KP Venezuela) per Videobotschaft die Schwierigkeiten herausgestellt, die richtige revolutionäre Praxis zu entfalten. Köbele blieb es vorbehalten, nachgerade existentialistisch zu formulieren: »Wer nicht die Herrschaft der Produzenten will, der will keine wirkliche Veränderung.« Die gegenwärtige Schwäche sei »Erscheinung, nicht Wesen«. Es war das große kommunistische »Trotz alledem«, wie es gegenüber des Kinos »Babylon« in großen Lettern höhnisch von der Volksbühne Chris Dercons prangt.

»Wenn die Hunde bellen, Sancho, bedeutet das, wir reiten«, hatte Dieckmann den Don Quijote von Cervantes zitiert und dafür den Beifall sowohl alter Recken als auch derjenigen aus der Generation Twitter erhalten. Sie zusammengebracht zu haben, das gehört zu den kleinen Siegen, die den Mut stärken, wie es im Lied heißt. Zählt doch zu den Lehren des »Roten Oktober« auch, dass bisweilen wenige genügen, solange sie wissen: »Wenn die Revolution keine Zukunft hat, hat nichts eine Zukunft« (Dath).


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