Also los
Von Robert CohenVon den zahllosen Lateinstunden am Gymnasium in Zürich sind mir geblieben: ein paar Wendungen, mit denen ich, selten genug, meine Texte schmücke, und ein paar Sprichwörter. Von einem komme ich seit kurzem nicht los: »Croesus Halyn penetrans magnam pervertet opum vim.« Das ließ vor etwa zweieinhalbtausend Jahren das Orakel von Delphi einem gewissen Croesus ausrichten, Herrscher über Lydien im Westen der heutigen Türkei. Frei übersetzt: Falls Croesus den Fluss Halys überschreite und damit einen Krieg gegen die Perser vom Zaun breche, werde er ein großes Reich zerstören. Croesus (auch Krösus), eine stinkreiche, aber etwas simpel gestrickte Kriegsgurgel, war für Zweideutigkeiten nicht zu haben. Dann also los, dachte er, und fiel mit seinen Streitkräften in Persien ein. Es gelang ihm nicht, die Perser zu besiegen, und das Reich, das als Folge dieses Kriegszugs vor die Hunde ging, war sein eigenes.
links & bündig gegen rechte Bünde
Jetzt den kostenlosen jW-Newsletter abonnieren – täglich das Beste aus der Tageszeitung junge Welt, direkt in Ihr Postfach. Ihre E-Mail-Adresse wird natürlich niemals an Dritte weitergegeben.
Mehr aus: Feuilleton
-
Nachschlag: Trump ohne Freunde
vom 10.04.2026 -
Vorschlag
vom 10.04.2026 -
Orte der Gewalt
vom 10.04.2026 -
Der Schalter
vom 10.04.2026 -
Briefe einer Verschwundenen
vom 10.04.2026 -
Das kleine Wunder
vom 10.04.2026
