-
10.04.2026
- → Feuilleton
Also los
Von den zahllosen Lateinstunden am Gymnasium in Zürich sind mir geblieben: ein paar Wendungen, mit denen ich, selten genug, meine Texte schmücke, und ein paar Sprichwörter. Von einem komme ich seit kurzem nicht los: »Croesus Halyn penetrans magnam pervertet opum vim.« Das ließ vor etwa zweieinhalbtausend Jahren das Orakel von Delphi einem gewissen Croesus ausrichten, Herrscher über Lydien im Westen der heutigen Türkei. Frei übersetzt: Falls Croesus den Fluss Halys überschreite und damit einen Krieg gegen die Perser vom Zaun breche, werde er ein großes Reich zerstören. Croesus (auch Krösus), eine stinkreiche, aber etwas simpel gestrickte Kriegsgurgel, war für Zweideutigkeiten nicht zu haben. Dann also los, dachte er, und fiel mit seinen Streitkräften in Persien ein. Es gelang ihm nicht, die Perser zu besiegen, und das Reich, das als Folge dieses Kriegszugs vor die Hunde ging, war sein eigenes.
Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?
Durchschnittliche Bewertung: 0,0
Das Verwaltungsgericht Berlin hat entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jahrlichen Verfassungsschutzberichten erwahnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden.
In unseren Augen ist das Urteil eine Einschränkung der Meinungs- und Pressefreiheit in der Bundesrepublik. Aber auch umgekehrt wird Bürgerinnen und Bürgern erschwert, sich aus verschiedenen Quellen frei zu informieren.
Genau das aber ist unser Ziel: Aufklärung mit gut gemachtem Journalismus. Sie können das unterstützen. Darum: junge Welt abonnieren für die Pressefreiheit!
