Urbi et orbi
Diesen Papst hatte man schnell wieder vergessen. Im Konklave am 8. Mai 2025 gewählt, war es seither ziemlich still um den US-Amerikaner Robert Prevost, der sich nach Leo XIII., dem arbeiterbewegungsfeindlichen »Arbeiterpapst«, benannt hat und nach Information des Kölner Domradios »überzeugter Antikommunist« ist. Am Sonntag spendete Leo XIV. erstmals den Segen »Urbi et orbi«. Weil damit explizit ein Weltanspruch formuliert ist, interessiert sich die Welt. Zumal der neue Bischof von Rom ein paar Sachen anders machte als sein unmittelbarer Vorgänger Franziskus.
Bei der FAZ steht man Leo schon jetzt näher als Franziskus, der, wie der für Kirchenfragen zuständige Daniel Deckers in einem Podcast der »Zeitung für Deutschland« verrät, »mit den Putinschen Narrativen von der aggressiven NATO ein bisschen gespielt hat«. Das sei nun wirklich »im höchsten Maße fahrlässig« und »würde Leo XIV. nicht passieren«.
Dabei erinnerte der noch frische Pontifex an die Worte des vor einem Jahr verstorbenen Jesuiten aus Argentinien bei dessen letzter Osterbotschaft, sprach wie sein Vorgänger von einer »Globalisierung der Gleichgültigkeit«. Die Predigt war ein Aufruf zum Frieden: »Wer Waffen in der Hand hält, lege sie nieder. Wer die Macht hat, Kriege zu beginnen, entscheide sich für den Frieden.« Doch bei Tagesschau.de wurde vermerkt: »Konkrete Konflikte in einzelnen Ländern sprach Papst Leo im Gegensatz zu seinem Vorgänger nicht an.«
Das könnte zu wenig sein, findet die Süddeutsche Zeitung, die Prevost ganz unbescheiden eine spezielle Aufgabe zugedacht hat. »Der erste US-amerikanische Papst ist der Gegenentwurf zum US-Präsidenten«; »eine Art Anti-Trump«. Und wie so einer sich zu verhalten hat, weiß man in München: Seine Zurückhaltung bei der Benennung von realen Konflikten »entspricht viel mehr dem Ideal eines Antitrumps als klare, zugespitzte Schuldzuweisungen«; »ein Papst, der viel zuhört, sich beraten lässt, überlegt. Alles Qualitäten, die im Weißen Haus entscheidend fehlen«. Könnte aber sein, dieser Stil passt nicht in diese Zeit – »man kann auch zu vorsichtig sein«.
Die italienische Repubblica merkt dagegen an, dieser Papst habe sich doch mit der Karfreitagsprozession ziemlich weit aus der Deckung gewagt, als er das Kreuz durch alle 14 Stationen des Passionsweges trug: »Zum ersten Mal in der Geschichte sitzt ein US-Papst auf dem Stuhl Petri und sieht sich einem Präsidenten gegenüber, seinem Landsmann, dessen grenzenloses und fast schon krankhaftes Ego ihn dazu treibt, den mit Israel gegen den Iran entfesselten Krieg mit religiösen Untertönen zu versehen.« In hoc signo vinces? (brat)
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