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Aus: Ausgabe vom 28.03.2026, Seite 2 / Ansichten

Merzens Fauxpas

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Fragen Sie mal Ihre Töchter, was sie von Friedrich Merz halten

Das muss sich ein Kanzler nicht gefallen lassen. Eine Bundestagsabgeordnete merkte am Mittwoch an, dass Friedrich Merz sich noch nicht in die Debatte um Gewalt gegen Frauen eingebracht habe. Der informierte seine »Frau Kollegin« zunächst darüber, dass auch viele Männer darüber diskutierten. »Und ich gehöre dazu«, versicherte er. Was sagt also ein Mann wie er zum Thema? 1997 hielt er es per Abstimmung im Bundestag noch so: Vergewaltigung in der Ehe ist in Ordnung. Und heute? Ein »beachtlicher Teil« der »explodierenden Gewalt« komme »aus den Gruppen der Zuwanderer«.

Breite Empörung in der Presse. »Mit seiner abseitigen Replik hat der Kanzler sich weggeduckt« (Frankfurter Rundschau). Er sei einem »populistischen Reflex gefolgt« (RND). Statt mit »Demut und Mitgefühl zu reagieren«, ­lenke er ab (Deutschlandfunk). Dann unisono: Man vermisst eine »klare Botschaft«, eine »Haltung als Mann« (Frankfurter Rundschau), eine »klare Positionierung des Kanzlers« (RND) und so weiter.

Mehr Verständnis für des Kanzlers Sorgen hat man in der SZ. Zwar stimmt man zu, dass Merz den Fokus verschiebe, aber »natürlich darf ein Bundeskanzler auch über Gewalt von Zuwanderern sprechen«. Über das, was der Kanzler »Ursachen« nennt, wird man ja wohl noch reden dürfen. In der Zeit will man »ihm einfach recht geben«. Womit? »Damit, dass der Anteil nichtdeutscher Täter im Bereich häuslicher Gewalt beachtlich ist, nämlich überproportional hoch im Verhältnis zum Bevölkerungsanteil.«

Wer so argumentiert, verwechselt Statistiken mit Ursachen. Näher dran ist die Taz: Man solle überlegen, »wie Gewalt entsteht« – nicht wie Merz: »wo diese Gewalt herkommt« – und wie »sie verhindert werden kann«. Worüber dann zu sprechen wäre, führt der linke Blogger Fabian Lehr in seinem Youtube-Kanal aus. Nämlich über die »ökonomischen Grundlagen« der Frauenunterdrückung. Über »weibliche Armut und ökonomische Abhängigkeit von Männern«, etwa durch »miserable Bezahlung von in Niedriglohnbranchen überrepräsentierten Frauen«, während »die CDU jede nennenswerte Erhöhung von Mindestlohn und Sozialleistungen vehement bekämpft«. Oder darüber, »dass in kaum einem hochentwickelten Land die Geburt eines Kindes zu einem so dramatischen Einbruch in der beruflichen Biographie von Frauen führt wie in Deutschland«. Also darüber, dass »Wirtschafts- und Sozialpolitik im Sinne der Oligarchie die Basis für massenhafte Frauenverachtung und -unterdrückung schaffen«, materiell wie ideologisch. Dass Merz sich so nicht äußern würde, ist klar. Er hätte besser geschwiegen. (mag)

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