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Aus: Ausgabe vom 11.03.2026, Seite 16 / Sport

Eine Erfolgsgeschichte

Von André Dahlmeyer
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Machste nix: 1. FC Kölns Torwart Fritz Ewert verliert gegen den Ball (1962)

Einen wunderschönen guten Morgen! Das Schönste am Balltreten sind die Torhüter. In Deutschland musste früher und womöglich heute noch immer der Dicke oder der Doofe in den Kasten, der meist aus zwei Jackenpfosten bestand. Da es keine Latte gab, hatte man ständig Diskussionen oder Raufereien, ob eine Pille nun drin war oder nicht.

Ich war Tormann. Eigentlich war ich Basketballer, 15 Jahre lang, aber mein Leben lang faszinierte mich die Spielposition des Tormanns. Ich spielte schon als Kind bei Eis und Schnee, später, dann doch schon sehr erwachsen, erstaunte ich die Inselbewohner von Tierra del Fuego (Feuerland) mit schwindelerregenden Paraden und Rauslaufkamikazes à la Toni Schumacher. Ich war ein Torhüter, der mit vier Beinen dem Gegner entgegen grätschte. Es interessierte mich nicht, ob ich mich verletzte. Über den anderen dachte ich nicht nach. Hatte genug zu tun.

Mitunter gewann ich die Hallenmeisterschaft unserer Realschule im schönen Niedersachsen. Beim Endspiel im alten Basketballbundesligatempel unserer Kreisstadt war die Halle ausverkauft (Eintritt gratis). Die Tribünen waren brechend voll mit Mädchen. Ich erinnere nicht mehr den genauen Ausgang des Spiels, 3:1? Jedenfalls haben wir gewonnen – als krasser Außenseiter. Spielentscheidend war diese Szene. Frank Tetzel, auch ein Basketballer beim MTV Wolfenbüttel, stürmte allein auf mich zu. Er war eine Vereinsberühmtheit, weil sein Pimmel fast bis zu den Knien runterhing, was er in der Umkleide gern demonstrierte. Tetzel stürmte, zog ab und schoss mir mitten ins Gesicht. Unsere Abwehr brannte lichterloh, der Ball sprang in meine Richtung, ich schoss einen Pass nach vorn durch die feindlichen Linien, mit links perforierte Zahni die gegnerischen Reusen.

Wir waren Weltmeister! Der krasseste Außenseiter der Schule. Später war ich auch in der Auswahl des Braunschweiger Kollegs, das am »Betriebsfußball« partizipierte – auf dem großen Platz. Das war nicht so mein Ding. Hohe Bälle und Ecken waren mir ein Graus. Ich war ja kein richtiger Tormann, ich war dick oder doof. Beim Rauslaufen war es nicht so wie sonst, aber einige habe ich gelackmeiert, andere mich. Als ich einmal eine Hammerparade ablieferte, im Fünfer aus Schmauchspurdistanz, bemerkte mein Sportlehrer: »Den hätte ich nicht gehalten!« Er mochte mich nicht, gab mir aber immer eine Eins.

Als ich mal mit dem Schwimmverein im Sommer oben am Westmeer zugange war, gab es ein denkwürdiges Balltretmatch. Unser Tag sah eigentlich so aus: morgens joggen, ab durch den Urwald. Manche versteckten sich im Schrank. Manche bogen beim Joggen ab, später wurden sie mit einem Zehnerträger erwischt. In der ersten Halbzeit hielt ich einen Strafstoß. Ich flog nach links, rechts mit den Füßen haute ich ihn raus. Die Mädchen kreischten. In der Pause wechselte ich mich selbst als Mittelstürmer ein, machte das einzige Tor des Spiels.

Bis dahin hatte ich zwei Freundinnen, dann nur noch eine, die aus Malaysia. Die schob mir hernach einen Zettel unter der Tür durch: »Deine Klamotten gehen gar nicht. Tschüs.« Meine Eltern kauften mir meine Hosen immer in der Zeltabteilung von Kackstadt.

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