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Rückgabe der Bürgerrechte

Geimpfte und Getestete bekommen ihre Bürgerrechte teilweise zurück. Mit Füßen getretene Genesene (W. Ku­bicki) müssen noch etwas warten. Sie dürfen bald ihre Meinung frei äußern, unter der Brücke schlafen und im September wählen gehen.

Das gilt mit Einschränkung auch für die meisten Schauspieler, ausgenommen
J. J. Liefers, U. Tukur und etwa fünfzig andere renitente Kollegen.

Manche Astra-Zeneca überlebt habende Zweitgeimpfte bekommen in NRW sogar das Menschenrecht zugesprochen, in Teppichkaufhäusern einkaufen zu dürfen, wenn sie die Anstands-, Abstands- und Aufstandsregeln strikt befolgen. Das verkündete der Teppichkaufhausbeauftragte Armin Laschet bei seinem neuerlichen Auftritt im Düsseldorfer Landtag.

Ein Problem bei Laschets Auftritten ist, dass sie Aufführungen der Augsburger Puppenkiste zum Verwechseln ähneln. Außerdem ist man unsicher, in welcher Rolle Laschet gerade steckt. Ist er Jim Knopf oder das Urmel aus dem Eis? Man sollte sich nicht täuschen lassen: Hinter dem niedlichen Tamagotchi-Tierchen Laschet, das quengelt, wenn es Hunger hat, verbirgt sich in Wirklichkeit eine reißende Bestie. Fast so grässlich wie Barbie oder ihr Gefährte Ken.

Im Stil eines enthusiastischen Steuerbeamten erklärte Laschet dem Düsseldorfer Pu­blikum die Risiken einer schrittweisen Rückerstattung der Bürgerrechte: Ungeimpfte begegnen auf der Straße zufällig den Geimpften und werden neidisch, weil diese die schönsten Flokatis im Teppichkaufhaus abgreifen können – und sie nicht. Das führt zu Frustration und Spaltung. Wie gut, dass es Armin Laschet gibt, der als Kapitän alles im Blick behält.

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Erschienen in der Ausgabe vom 10.05.2021, Seite 10, Feuilleton

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