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Venezuela und USA

Trump und Bolton: Coole Invasion

Eine US-Invasion in Venezuela sei »cool«, denn letztlich sei das südamerikanische Land »ein Teil der Vereinigten Staaten«. So soll sich US-Präsident Donald Trump im vergangenen Jahr geäußert haben. Entsprechende Zitate stammen aus dem neuen Buch seines ehemaligen Sicherheitsberaters John Bolton. Die Washington Post veröffentlichte am Donnerstag Auszüge aus den fast 600 Seiten starken Erinnerungen, die in der kommenden Woche unter dem Titel »The Room Where It Happened« (Der Raum, in dem es passierte) erscheinen sollen. Ob es dazu kommt, ist allerdings unsicher, denn die US-Administration hat am Dienstag vor Gericht Klage gegen die für den 23. Juni geplante Veröffentlichung eingereicht. Bolton verbreite geheime Informationen und gefährde damit die nationale Sicherheit, heißt es in der Begründung. Über die zusätzliche Werbung freut sich derweil der Verlag Simon & Schuster.

Bolton zufolge soll Trump Anfang letzten Jahres zunächst gezögert haben, den Oppositionspolitiker Juan Guaidó als »Übergangspräsidenten Venezuelas« zu akzeptieren. Dieser sei ein »schwaches Kind«, zitiert Bolton seinen früheren Chef, während Staatschef Nicolás Maduro »tough« sei. Letztlich erkannte Washington Guaidó dennoch innerhalb weniger Stunden nach dessen Selbsternennung als Staatschef an – kurz darauf folgten alle anderen rechtsgerichteten Regierungen des Kontinents sowie die meisten EU-Staaten, unter ihnen die Bundesrepublik.

»Allmählich kommt heraus, was wir 2019 und 2020 verhindert haben«, kommentierte Maduro am Donnerstag die Berichte. »Trump wollte Venezuela überfallen, um es zu einem US-Territorium zu machen.« (sb)

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Erschienen in der Ausgabe vom 20.06.2020, Seite 3, Schwerpunkt

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