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Sprache

Was mit Klima

Jetzt ist es raus: Das »Unwort des Jahres« 2019 ist »Klimahysterie«. Es wurde am Dienstag in Darmstadt bekanntgegeben. Klimahysterie – hätte man es sich denken können? Schwer zu sagen. Dass es indes irgendwas mit Klima sein würde, war freilich anzunehmen. Das Thema drückt mächtig aufs Gemüt. Und um Geflüchtete ging es bereits letztes Jahr.

Dass Bundesumweltministerin (SPD) diese Wahl unbedingt begrüßen würde, davon war ebenfalls auszugehen. Lob kostet nix. Gleich am Dienstag tat sie sehr engagiert und aufgebracht: »das kann doch nicht sein, dass man die notwendigen Dinge, die wir jetzt tun müssen gegen den Klimawandel, dass man die als Hysterie bezeichnet – also so tut, als wären wir krank«. Schulze weiß: Es müsse gehandelt werden, der Klimawandel sei belegt, daher sei das, ja, ja, eine sehr gute Wahl.

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Im Rennen waren wie immer auch andere eklige, phantasievolle, beknackte oder überflüssige Vorschläge, etwa »Bauernbashing«, »Ökodikatur«, »Umvolkung«, »Bevölkerungsexplosion« oder »Ethikmauer«.

Das Unwort wird seit 1991 gekürt. Im vergangenen Jahr war es »Antiabschiebe­industrie«, 2017 »Alternative Fakten«. Gerügt werden Wörter, die gegen die Prinzipien der Menschenwürde oder der Demokratie verstoßen, gesellschaftliche Gruppen diskriminieren oder die euphemistische, verschleiernde oder irreführende Formulierungen sind. Nach Angaben der sprachkritischen Aktion »Unwort des Jahres« waren 671 Einsendungen mit 397 Vorschlägen eingereicht worden. Rund 50 Vorschläge entsprachen in diesem Jahr den Kriterien. Die Zahl der Einsendungen ging erneut zurück. Im vergangenen Jahr waren es noch mehr als 900. Früher, als die Aktion noch halbwegs frisch war, gab es auch schon mal deutlich über 2.000 Vorschläge. (jW)

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Erschienen in der Ausgabe vom 15.01.2020, Seite 11, Feuilleton

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