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Berliner Hedwigskathedrale

»Dennoch erhaben«

»Leer, ausgeräumt, ohne Altar, Kathedra und Orgel und dennoch erhaben« – so beschreibt die aktuelle Ausgabe der erzbischöflichen Wochenzeitung Tag des Herrn den gegenwärtigen Zustand der Berliner Hedwigskathedrale, wobei die Aufzählung der »Ohne«-Liste wesentlich länger sein könnte: Es fehlt fast alles, was dieser Kathedrale ihre Identität gegeben hat.

Aber sie sei »dennoch erhaben« – so erhaben wie alle, die den Totalumbau der Kathedrale wollen. Erzbischof Heiner Koch ist über jeden Vorwurf erhaben, dass der geplante Umbau, der Staats- und Kirchengelder verschlingt, moralisch und sachlich nicht gerechtfertigt sei – der Erzbischof besteht auf wichtigen liturgischen Gründen für das Projekt. Noch viele andere Beteiligte sind über jeden Vorwurf erhaben, beispielsweise der Berliner Dompropst Tobias Przytarski, der mit dem stellvertretenden Bezirksbürgermeister von Berlin-Mitte, Ephraim Gothe (SPD), vertrauensvoll zusammenarbeitet, der selbstverständlich auch über jeden Vorwurf erhaben ist; des weiteren die engagierte Katholikin Monika Grütters (CDU), Staatsministerin für Kultur, und und …

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Es ist wie im Märchen: Der Hofstaat lobt die schönen neuen Kleider des Kaisers. Aber der ist nackt – so nackt und leer wie die Hedwigskathedrale.

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Erschienen in der Ausgabe vom 28.11.2019, Seite 11, Feuilleton

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