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18.03.2019
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Hintergrund: Galerie und Kunststiftung Poll
Mit ihrer Gründung vor 51 Jahren (siehe jW vom 27.09.2018) schuf die Galerie Poll der figurativen Kunst und besonders dem kritischen Realismus eine Heimat im Westberliner Kunstbetrieb. Die Galerie entstand 1968 quasi als Fortführung der nach nur vier Jahren zerfallenen Produzentengalerie »Großgörschen 35«, deren Geschäfte der Anwalt Lothar C. Poll seit 1966 geführt hatte. Mit seiner Frau Eva Poll führte er fort, was die kritischen Realisten angefangen hatten, jedoch mit einer ständigen Erweiterung in die europäische figurative Kunstszene hinein. Schon früh öffnete sich die Galerie der ostdeutschen Kunst, wobei besonders der italienische Realist Gabriele Mucchi (1899–2002), der zeitweise Professuren in der DDR innehatte, als »Türöffner« diente – den seitens der Westberliner gehegten Verdacht der Sympathie für »die Kommunisten« nahmen die Polls in Kauf.
Die 1986 gegründete Kunststiftung Poll hatte ursprünglich die Aufgabe, die Künstlernachlässe von Hermann und Christel Poll aufzunehmen, entwickelte sich aber bald zu einem Instrument, um das »Gedächtnis an Künstler wachzuhalten, Brücken zu bauen in die jüngste Geschichte, nicht nur in die Kunstgeschichte. Gerade in Berlin war das immer eng verknüpft mit der politischen Situation, der Atmosphäre in dieser Stadt« schrieb Lothar C. Poll 2016. Wobei auch beim Engagement für politischen Realismus in der Kunst, die Betonung immer auf Kunst lag. Seit 2012 stellt die Kunststiftung Werke von »drei Berliner Bildhauerinnen« auf den Garnisonkirchplatz.
Der Generationswechsel ist bereits eingeleitet: Die Tochter Nana Poll leitet nun die Galerie zusammen mit ihrer Mutter und führt zusammen mit ihrem Vater die Geschäfte der Stiftung. (aw)
www.poll-berlin.de
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