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Droste

Wahre Tierrechte (30)

Jochen parkte seinen Wagen auf dem Kundenparkplatz der Bank; er war offensichtlich der letzte Mensch im Sprengel, der keinen SUV und keine hässliche Schaumacherkarre fuhr. Was hatte es früher doch für schöne Autos gegeben, dachte er sentimental; nicht wenige davon hatte er bei einer Reise nach Kuba in Havanna gesehen, wo jeder Autofahrer gleichzeitig Mechaniker sein musste und Improvisation alles war. Er hatte Stoßstangen bestaunt, die keine lackierten Zierleisten waren, etwas Handwerkerehrloses wie Module zum Austauschen gab es nicht, es wurde geschraubt, gefummelt, getrickst, bis die Karre wie durch ein Wunder wieder ans Laufen kam.

Obwohl er sich auf die verbale Schießerei in der Bank hätte konzentrieren sollen, hielt er ungewollt kurz inne. Die Reise nach Kuba war sein letzter Urlaub gewesen, selbstverständlich war er allein gereist, seine Frau hatte sich um den Hof kümmern müssen. Außer Arbeit hatten sie irgendwann nichts Gemeinsames mehr gehabt, und so war ihre Ehe erodiert wie Land, das nicht bewässert wurde. So leidenschaftlich gern Jochen Bauer war – war es das wert gewesen? Er schüttelte den Gedanken ab, straffte sich und ging Richtung Eingang, wobei er entschlossener aussah, als er es war. Die Kretins aller Couleur sprachen in diesem Zusammenhang immerzu von »Körpersprache« – wahrscheinlich deshalb, weil sie keinen geraden, unfallfreien Satz von sich geben konnten.

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Fortsetzung folgt

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Erschienen in der Ausgabe vom 07.11.2018, Seite 11, Feuilleton

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