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Antiziganismus

Humor der Rassisten

Der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma hat den französischen Film »Hereinspaziert!« als »zutiefst rassistische Komödie« kritisiert. »Zugewanderte rumänische Roma werden in der Produktion durchweg als nicht integrierbare Gegenkultur zur westlichen Zivilisation konstruiert«, »als vormoderne und unzivilisierte ›Wilde‹«, erklärte der Zentralratsvorsitzende Romani Rose am Dienstag. »Hereinspaziert!« ist am 21. September in den deutschen Kinos angelaufen. Der laut Regisseur Philippe de Chauveron (»Monsieur Claude und seine Töchter«) dem Intellektuellen Bernard-Henri Levy nachempfundene Held behauptet bei einem TV-Streitgespräch, jederzeit eine hilfsbedürftige Roma-Familie in seiner Luxusvilla aufzunehmen, und wird beim Wort genommen. Anlässlich des Kinostarts in Frankreich wurde der Film Anfang des Jahres von der Roma-Selbstorganisation »La Voix des Rroms« und dem Kollektiv »Droits de l’Homme Rom­europe« als herabwürdigende Darstellung von Roma verurteilt.

Dass mittels vorgeblich leichter Unterhaltung »rassistische und antiziganistische Denkmuster über Roma tradiert« würden, mache den Film besonders gefährlich, erklärte der Zentralratsvorsitzende Rose am Dienstag. »Ein ähnlicher Film mit antisemitischen Stereotypen und Ressentiments wäre – so will ich voraussetzen – gerade in deutschen Kinos nicht ausgestrahlt worden. Ich fordere Filmemacher, Filmförderfonds und Filmwirtschaft dazu auf, die gesellschaftlichen Verpflichtungen zum Schutz vor Rassismus und Diskriminierung zu achten, insbesondere in Zeiten mit wachsendem Rechtspopulismus und Nationalismus.«

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Mit ähnlichen Argumenten hatte der Zentralrat in der vergangenen Woche den Südwestrundfunk aufgefordert, die geplante Ausstrahlung des deutschen Kinderfilms »Nellys Abenteuer« noch rückgängig zu machen. Auch dieser angeblich harmlose, mit einer knappen Million Euro subventionierte Film strotzt von antiziganistischen Klischees. (jW)

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Erschienen in der Ausgabe vom 27.09.2017, Seite 11, Feuilleton

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