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Geschichtspolitik

Die Wahrheit

Die Stadt Zagreb hat am Mittwoch ihren mit 4.000 Euro dotierten Kulturpreis an den Regisseur Jakov Sedlar für sein Werk »Jasenovac – Die Wahrheit« verliehen. Vertreter der serbischen und jüdischen Minderheit in Kroatien sowie antifaschistische Gruppen übten an der Entscheidung scharfe Kritik. In einem bereits im Vorfeld veröffentlichen Brief an den Stadtrat erklärten die jüdische Gemeinde und der Serbische Nationalrat, der Film stelle das Vernichtungslager Jasenovac nur als Arbeitslager dar. Die Zahl der Toten werde drastisch heruntergerechnet, die Opfer dadurch herabgesetzt und der Anteil des faschistischen kroatischen Ustascha-Regimes am Holocaust und dem Völkermord an den Serben und anderen Minderheiten geleugnet. Geschichtsrevisionisten wie der ehemalige Kulturminister Zlatko Hasanbegovic fanden indes nur Worte des Lobes und wollten das Machwerk sogar in den Bildungskanon aufnehmen.

An diesem Wochenende wird in Jasenovac an den Ausbruchsversuch der letzten Gefangenen im April 1945 erinnert: Am Samstag kommen die Vertreter der Opfergruppen zusammen. Sie boykottieren die Zeremonie der Regierung am Sonntag. Der Grund ist beispielhaft für den Umgang mit der faschistischen Vergangenheit im Land: Im vergangenen Jahr wurde unweit des ehemaligen Lagers eine Gedenkplatte für die Soldaten und Milizen eingeweiht, die in den Kriegen der 90er Jahre ums Leben kamen. Auf dem schwarzen Stein ist unter anderem der Gruß der Ustascha zu lesen, der den damaligen Anhängern großkroatischer Träume beim Zerschlagen Jugoslawiens wieder leicht über die Lippen kam. (jW)

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Erschienen in der Ausgabe vom 22.04.2017, Seite 11, Feuilleton

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