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Großrazzia gegen ­Kurden in NRW

Essen. Drei Monate nach einem Brandanschlag auf ein Café in Essen durchsuchten mehrere hundert Polizeibeamte am Donnerstag rund 30 Wohnungen in elf nordrhein-westfälischen Städten, darunter Köln, Dortmund, Bochum, Duisburg und Essen. 17 Haftbefehle wegen versuchter schwerer Brandstiftung und versuchten Mordes wurden erlassen. In Essen wurde der Deutsch-Kurdische Solidaritätsverein durchsucht und ein früherer Vereinsvorsitzender festgenommen.

Nach Informationen des Westdeutschen Rundfunks richteten sich die Razzien gegen mutmaßliche Mitglieder der sich selbst als antifaschistisches Projekt bezeichnenden rockerähnlichen Vereinigung »Bahoz« (kurdisch: Sturm). Diese hatten sich mehrfach Auseinandersetzungen mit dem türkisch-nationalistischen Boxklub »Osmanen Germania« geliefert. Bei den Beschuldigten handele es sich »selbst nicht um Rocker. Beziehungen einzelner Personen zu Rockergruppen können jedoch nicht ausgeschlossen werden«, teilte die Polizei Essen in einer Pressemitteilung mit.

Nach der Verhaftung von Abgeordneten der links-kurdischen Oppositionspartei HDP in der Türkei war es am 4. November letzten Jahres deutschlandweit zu spontanen Protesten von Kurden gekommen. Aus einer Gruppe heraus war damals ein Molotowcocktail auf ein von türkischen Nationalisten frequentiertes Café in Essen-Kray geworfen worden. Ein Gast wurde dabei leicht verletzt, größerer Sachschaden entstand nach Polizeiangaben nicht. Drei 19- bis 21jährige Kurden wurden kurz darauf festgenommen, sie befinden sich weiterhin in Untersuchungshaft.

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Erschienen in der Ausgabe vom 10.02.2017, Seite 4, Inland

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