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Sibylle

Sibylle Boden-Gerstner, Gründerin der nach ihr benannten Modezeitschrift Sibylle, ist am Sonntag mit 96 Jahren in Berlin gestorben. Als Tochter einer deutsch-jüdischen Familie, die den ersten Pelzwarenversand in Deutschland betrieb, begann sie mit 16 in Berlin zu studieren. Die Nazizeit verbrachte sie in Wien und Paris, wo sie ohne Papiere Kunst studierte. Ab 1949 arbeitete sie in Berlin als Kostümbildnerin mit DEFA-Regisseuren wie Wolfgang Staudte und Slatan Dudow, entwarf etwa die Kostüme für »Die Geschichte vom kleinen Muck«. 1956 erhielt sie den Auftrag, eine international orientierte, anspruchsvolle DDR-Mode- und Kunstzeitung zu konzipieren. Die Auflage der Sibylle lag bei mehr als 200.000 Exemplaren, meist war sie ausverkauft. Boden-Gerstner war bis 1961 künstlerische Leiterin. Nach Kritik an ihrer Modekonzeption als »zu französisch« verließ sie die Redaktion, wurde erneut Kostümbildnerin (u. a. für Filme wie »Wolf unter Wölfen«, 1963, oder »Kleiner Mann was nun«, 1967). 1981 erschien unter dem Pseudonym Sibylle Muthesius ihr Buch »Flucht in die Wolken« in der DDR und bei S. Fischer: Erinnerungen an ihre künstlerisch begabte Tochter Sonja Gerstner (jüngere Schwester der Schriftstellerin Daniela Dahn), die mit 19 in Folge einer Psychose Suizid begangen hatte. Boden-Gerstner hat Zeit ihres Lebens gemalt. In der Kunsthalle Rostock läuft bis 17. April eine Ausstellung über die Sibylle. (jW)

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Erschienen in der Ausgabe vom 29.12.2016, Seite 11, Feuilleton

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