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Volksbühne Berlin

Doch, haben wir

Während Berlins neuer Kultursenator Klaus Lederer (Linke) in der Süddeutschen Zeitung vom Dienstag seine Zweifel daran bekräftigte, dass die Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz der richtige Ort sei »für jemanden wie (den designierten Intendanten Chris) Dercon, der aus völlig anderen Zusammenhängen kommt und kaum Theatererfahrung hat«, stand der Belgier in der FAZ vom Dienstag selbst Rede und Antwort. Er sei »oft im Studententheater der Universität Löwen« gewesen, hielt er Vorbehalten, die seine Qualifikation betreffen, entgegen. Sein Leitspruch »Think global, fuck local« sei übrigens »eher liebevoll gemeint. Wenige haben den Humor in diesem Satz verstanden«. (Der könnte sich aus seiner eigentlichen Maxime, »Fuck global«, ergeben.) Im Zentrum seiner ersten Saison in Berlin werde Beckett stehen, verriet Dercon noch, und versprach, Fünfjahresverträge auch mit Künstlern zu schließen. Noch weiter ins Detail ging im Gespräch mit der FAZ Dercons Programmdirektorin Marietta Piekenbrock: »Doch, wir haben ein Programm! Allerdings hat es kein Feindbild, es kennt keine Himmelsrichtung, ist nicht ideologisch durchleuchtet, sondern radikal subjektiv. (…) Wir wollen die Volksbühne (…) wie ein Museum einrichten.« Ob das Haus ein Magnet für Touristen und Stadtmarketing sein müsse oder »einen spezifischen Charakter, eine DNA« habe, die man nicht einfach ersetzen könne, gab Senator Lederer in der Süddeutschen zu bedenken, und versprach, mit Dercon »eine Lösung (zu) finden, nicht gegen ihn«. Bei der Gelegenheit kündigte Lederer die Veröffentlichung der Gehälter von Berlins Intendanten, Museumsdirektoren und Generalmusikdirektoren an: »Ich halte das für eine Selbstverständlichkeit.« (dpa/jW)

junge Welt

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Erschienen in der Ausgabe vom 22.12.2016, Seite 11, Feuilleton

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