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Brechts »Maßnahme«

Am Freitag wird in Berlin »Die Maßnahme«, ein legendäres »Lehrstück« von Bertolt Brecht (Musik: Hanns Eisler), im historischen Setting in historischer Besetzung, inszeniert von Fabiane Kemmann, aufgeführt: im Kammermusiksaal der Philharmonie mit 300 Laienchorsängern. Die von Slatan Dudow inszenierte Uraufführung im Dezember 1930, bei der Ernst Busch und Helene Weigel mitwirkten, hatte im Haus der alten Berliner Philharmonie stattgefunden, mit Laienchören.

Das wird ein einmaliger Abend, beteiligt sind unter der musikalischen Leitung von Marcus Crome zehn Chöre, darunter der Erich-Fried-Chor und der Ernst-Busch-Chor, beteiligt. Was viele nicht mehr wissen: Vor 1933 gab es in Deutschland eine halbe Million Menschen, die in Arbeiterchören gesungen haben. Markus Crome dirigierte 1997 einen Chor professioneller Sänger am Berliner Ensemble, als »Die Maßnahme« erstmals nach Brechts Aufführungsverbot von 1956 auf eine Bühne gebracht wurde.

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Bekanntlich wird in dem Stück die Tötung eines jungen Revolutionärs von seinen eigenen Genossen diskutiert. Ihm wird vorgeworfen, durch zuviel Gefühl die Bewegung zu gefährden. Ein klassisches Problem, das man in wesentlich harmloserer Form aus vielen politischen Gruppen kennt. Die Veranstalter der diesjährigen Inszenierung fassen das so zusammen: »Die ›Maßnahme‹ wird als Vorlage zur Auseinandersetzung zur Verfügung gestellt. Warum sind wir zusammen und wie? Im Mittelpunkt steht die Frage nach einer ›besseren Möglichkeit‹«. (jW)

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Erschienen in der Ausgabe vom 06.04.2016, Seite 10, Feuilleton

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