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Dunkles Kapitel

Venedig erinnert an ein dunkles Kapitel seiner Geschichte: Die Venezianer haben vor 500 Jahren Ghettos für Juden eingeführt. »Das ist natürlich kein Grund zum Feiern, aber ich betrachte es als seltene Gelegenheit zum Nachdenken und Sicherinnern«, sagte Donatella Calabi. Die Historikerin kuratiert die Ausstellung »Venedig, die Juden und Europa«, die im Juni eröffnet wird.

Am 29. März 1516 erlaubte der Senat der Lagunenstadt, dass Juden sich in Venedig ansiedeln. Bedingung war, dass sie dies auf einer abgelegenen Insel taten, deren Zugänge nachts verschlossen wurden. Auf der Insel befand sich eine Kupferhütte, genannt »Geto«. Daraus entwickelte sich das Wort »Ghetto«, wie Calabi erklärte. Obwohl Venedigs Juden nicht wie in anderen Teilen Europas brutal verfolgt wurden, seien sie dennoch stark diskriminiert worden. Gleichberechtigung gab es erst, als Venedig 1866 Teil des italienischen Staates wurde.

Heute leben nur noch wenige Dutzend jüdische Menschen im Ghetto. »Es ist einer der hässlichsten Orte von Venedig, denn es gibt keine hübschen Fassaden«, meinte Shaul Bassi von der jüdischen Gemeinde. Es sei aber ein Ort, der einen in seinen Bann ziehe. (dpa/jW)

junge Welt

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Erschienen in der Ausgabe vom 26.03.2016, Seite 11, Feuilleton

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