-
03.03.2016
- → Feuilleton
Über das Hängen
In Sachsen-Anhalt plakatieren die Nazis von der Partei »Die Rechte« ihr Lebensmotto »Wir hängen nicht nur Plakate«; sie finden das lustig und provokativ, und manche, die sich für ihre Gegner halten, nennen das »geschmacklos«. Wen oder was hängen die Rechten, wenn die »nicht nur Plakate« hängen? Hängen sie irgendwo ab oder rum? Hängen sie ihre Mauken ins Wasser? Sich zu Hause ein schönes Hitlerporträt an die Wand? Und sich selbst an die Decke oder an einen starken Ast?
Nein, sie drohen mit dem Aufhängen anderer, mit Lynchmord, und Mord oder das Androhen von Mord sind, pardon, keine Frage des Geschmacks. Es handelt sich um das schwerste Kapitalverbrechen und seine Androhung, die angesichts der bisherigen Taten der Roh- und Drohlinge, die ihre Hetze ausstoßen wie Giftgas, glaubhaft ist und als solche geahndet zu werden hat. Ansonsten gilt der Titel des Westernklassikers »Hangmen also die«, falls die deutschen Nazis das jetzt verstünden oder ihr Middle-of-the-Road-Buddy Pastor Gauck es ihnen übersetzte.
Unabhängiger Journalismus braucht deine Unterstützung.
Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?
Durchschnittliche Bewertung: 0,0
Das Verwaltungsgericht Berlin hat entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jahrlichen Verfassungsschutzberichten erwahnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden.
In unseren Augen ist das Urteil eine Einschränkung der Meinungs- und Pressefreiheit in der Bundesrepublik. Aber auch umgekehrt wird Bürgerinnen und Bürgern erschwert, sich aus verschiedenen Quellen frei zu informieren.
Genau das aber ist unser Ziel: Aufklärung mit gut gemachtem Journalismus. Sie können das unterstützen. Darum: junge Welt abonnieren für die Pressefreiheit!