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Volkswagens Gas

Von Wiglaf Droste

Die Deutschen werden das Gas nicht los. Erst hatten sie ihrem geliebten Führer Adolf, einem Würstchen mit adäquatem Hang zu Höherem, das sich gern »Wolf« nennen ließ, eine ganze Stadt gebaut, Wolfsburg, was man dem Nest heute noch ansieht. Ferdinand Porsche entwarf das Kraft-durch-Freude-Mobil, den Volkswagen, Autobahnen wurden, wenn auch zu anderen Zwecken, gebaut, und seitdem fahr’n, fahr’n, fahr’n auf der Autobahn die Deutschen Amok.

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Auch in anderen Ländern wird Auto gefahren, aber das Auto als Gottheit und Fetisch kennen nur die Deutschen; sie liegen vor ihm auf den Knien, würden ihm niemals eine Pkw-Maut aufbürden oder es in seiner Geschwindigkeit begrenzen oder einschränken. Die Möglichkeit, Menschenleben zu schonen – das der anderen wie das eigene – erscheint vielen Deutschen als eine allenfalls zweitrangige Angelegenheit. Wer einmal das »Gib Gas, ich will Spaß!«-Gekreisch eines jungdeutschen Semmelschädels gehört hat, weiß, was ich meine.

Nun hat die Autogasexportmacht Deutschland die Gasflaschen aufgedreht und in den USA Emissionen manipuliert; es handelt sich um ein wirtschaftskriminelles Betrugsdelikt – aber seltsam ist es schon, dass die Deutschen gerade vom Gas nicht lassen können. Es ist an der Zeit, die »Autostadt« wegzusprengen.

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Erschienen in der Ausgabe vom 23.09.2015, Seite 11, Feuilleton

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