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Katastrophe pro Seite

Amazon hat zum Monatsanfang ein Verfahren für Tantiemen-Zahlungen umgestellt. Was die Kindle-E-Book-Flatrates des Konzerns angeht, ist die Vergütung der Urheber nicht mehr von der Zahl der Ausleihen eines Titels abhängig, sondern von der Zahl tatsächlich gelesener Seiten. Die Vorsitzende des Verbandes deutscher Schriftsteller in der Gewerkschaft ver.di, Eva Leipprand, erklärte dazu am Montag: »Dies ist ein kontrollierender Eingriff in den intimen Dialog des Lesers mit dem Buch und das damit verbundene Verhältnis zum Autor.« Beim Schriftstellerverband seien sich Bundesvorstand und Landesvorsitzende einig, »dass dieses System bei einer weiteren Verbreitung eine Katastrophe für die Literaturlandschaft bedeute«. Autoren könnten sich genötigt sehen, die Leser »kontinuierlich im ›Cliffhanger-Stil‹ von einer Seite zur nächsten zu treiben«, meinte Leipprand, die keine sonderlich hohe Meinung von ihren Kollegen zu haben scheint. Nach Angaben des Konzerns haben Autoren um die Änderung der Vergütungsmodalitäten gebeten. Die Größe des Fonds, aus dem sich die Zahlungen speisen, werde auf monatlicher Basis berechnet. So solle es Mitte Juli den Wert für den Juni geben. In Medienberichten hatte es vor wenigen Tagen geheißen, dass aktuell rund 0,6 US-Cent pro Seite ausgeschüttet würden. Auf 1,9 Milliarden gelesene Seiten im Juni käme eine Summe von mindestens elf Millionen Dollar, schrieb etwa die Zeitung Guardian. (dpa/jW)

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Erschienen in der Ausgabe vom 08.07.2015, Seite 11, Feuilleton

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