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Zu Ende gedacht

»Sprache ist verkommen«, hat der Vorsitzende des Rats für deutsche Rechtschreibung, Hans Zehetmair, in einem Jubiläumsinterview mit der Deutschen Presse-Agentur erklärt. »Sprache ist zu sehr dem Konsum gewichen, der Passivität, und ist zu wenig schöpferisch.« Der ehemalige bayerische Kultusminister (CSU) ist 78 Jahre alt. Der Rat, dem er vorsitzt, versteht sich als »zentrale Instanz in Fragen der Rechtschreibung«. Er lehne Anglizismen nicht komplett ab, versicherte Zehetmair. »Aber man sollte sie zumindest immer so einsetzen, dass man auch weiß, was Begriffe wie Recycling bedeuten.« Die immer oberflächlichere Verwendung solcher Termini hält er für eine »gefährliche Entwicklung« und fordert, mal wieder einen Brief zu schreiben statt eine SMS oder Whatsapp-Nachricht zu tippen. »Man kann sich eigentlich seinem Mitmenschen gegenüber nur vermitteln, wenn man ihm nicht Wortfetzen hinwirft, sondern wenn man etwas zu Ende formuliert und damit auch zu Ende denkt«. Deshalb »sollte man Gedanken stärker herausfordern und vielleicht auch mal einen Brief schreiben.« Zehetmair ist seit der Gründung des Rats am 17. Dezember 2004 in Mannheim dessen Vorsitzender. Nach der konstituierenden Sitzung nahm der Rat die Rechtschreibreform in Angriff. Damit verfolgte er kein geringeres Ziel als die Wiederherstellung des »Sprachfriedens«, das als verfehlt bezeichnet werden kann. (dpa/jW)

 

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Erschienen in der Ausgabe vom 16.12.2014, Seite 10, Feuilleton

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