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08.08.2013
- → Feuilleton
Nicht zu seriös
Hymne auf die Hymne: Gerade die Wiederholung eines Musikstücks zu den verschiedensten Anlässen erweitert den Interpretationshorizont. Das Jugend-Musikfestival »Young Euro Classic«, das noch bis zum 11. August allabendlich im Berliner Konzerthaus am Gendarmenmarkt stattfindet (am früheren Platz der Akademie), verfügt über eine eigene Festivalhymne. Sie wurde beim Dirigenten und Komponisten Iván Fischer in Auftrag gegeben.
Live ist sie vor Beginn jedes Konzerts zu hören. Sie überrascht: mit witzig-schrägen, atonalen Klängen nach schwermütigen Akkordfeldern. Die Streicher haben hier viel zu tun, obwohl das Ganze in sich eine Fanfare darstellt. Der Tonsetzer, also Komponist, erklärt gern, wie das zu verstehen ist: »Bitte, nehmen Sie meine kurze Fanfare nicht zu seriös!« Es seien ja nur wenige Minuten, die das Publikum einstimmen und erheitern. Fischer weiter: Der Anfang sei ein »melancholischer Marsch«, weil junge Leute oft melancholisch seien. Es folge ein »tänzerisches Trio«, weil Jugendorchester von langen Partys meist unausgeschlafen seien. Die Marsch-Reprise enthalte schließlich »jazzartige Improvisationen«: damit der Trompeter oder Geiger – die Orchestrierung kann wechseln – den Kollegen »mal so richtig imponieren« könne. Ha! Und Fischer fügt an: »Einige Gickser gehören dazu!«
Wenn am Sonntag um 18.30 Uhr der Europäische Komponistenpreis im Konzerthaus verliehen wird, wird man bedauern, daß Fischer mit 62 Jahren vermutlich zu alt ist, um die Nachwuchsehrung in Empfang zu nehmen.
(gis)
Live ist sie vor Beginn jedes Konzerts zu hören. Sie überrascht: mit witzig-schrägen, atonalen Klängen nach schwermütigen Akkordfeldern. Die Streicher haben hier viel zu tun, obwohl das Ganze in sich eine Fanfare darstellt. Der Tonsetzer, also Komponist, erklärt gern, wie das zu verstehen ist: »Bitte, nehmen Sie meine kurze Fanfare nicht zu seriös!« Es seien ja nur wenige Minuten, die das Publikum einstimmen und erheitern. Fischer weiter: Der Anfang sei ein »melancholischer Marsch«, weil junge Leute oft melancholisch seien. Es folge ein »tänzerisches Trio«, weil Jugendorchester von langen Partys meist unausgeschlafen seien. Die Marsch-Reprise enthalte schließlich »jazzartige Improvisationen«: damit der Trompeter oder Geiger – die Orchestrierung kann wechseln – den Kollegen »mal so richtig imponieren« könne. Ha! Und Fischer fügt an: »Einige Gickser gehören dazu!«
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Wenn am Sonntag um 18.30 Uhr der Europäische Komponistenpreis im Konzerthaus verliehen wird, wird man bedauern, daß Fischer mit 62 Jahren vermutlich zu alt ist, um die Nachwuchsehrung in Empfang zu nehmen.
(gis)
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