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Schalldämpfer (1)

Wir hatten das Kommando Leise Welt gegründet, eine Organisation zur Rettung des menschlichen Trommelfells und der innen angrenzenden Organe. Lärmbolde, Schreihälse und Arschkrampen, die rollkofferartige Brüllwürfel hinter sich her zerrten, bekamen von uns einen eindeutigen Wink mit der Wumme.

Besonders penetranten und unfähigen Straßen- und U-Bahn-Musikern machten wir ein großzügiges Angebot: Gegen die bindende Verpflichtung, nie wieder öffentlich zum Instrument zu greifen, bekamen sie einen anständig dotierten Job bei der Firma Oropax, deren stille Teilhaber wir sind. (Die Betonung liegt selbstverständlich auf still.)

Weniger freundlich waren wir zu Distributeuren von Fahrstuhlmusik und Kaufhausbeschallung; die setzten wir schon mal 48 Stunden der akustischen Jauche aus, mit der sie die Welt belegen, und zwar so, daß sie sich die Ohren nicht zuhalten konnten.
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Hauptziel aber waren die Musikchefs von Radiosendern, die ohne jede Gnade Millionen Hörer quälten und in die Verzweiflung trieben. Sie bekamen etwas Großkalibriges in den Hohlraum zwischen ihren Ohren verabreicht, getreu den Grundsätzen unseres Kommandos selbstverständlich mit dem Schalldämpfer.

Franz, unserem besten Schützen, gefiel das gar nicht. Franz fand Schalldämpfer scheiße und maximal den halben Spaß. Er arbeitete lieber mit einer Abgesägten.

wird fortgesetzt

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Erschienen in der Ausgabe vom 18.07.2013, Seite 13, Feuilleton

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