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09.03.2013
- → Feuilleton
Männer zum Einfühlen
Gesichter, nix als Gesichter: In der Halle am Wasser in Berlin, gleich hinterm Hamburger Bahnhof (Museum für zeitgenössische Kunst), liegen Hunderte Gesichter schmerzverzerrt am Boden. Der spanische Künstler Bernardí Roig machte erst entsprechende Porträtfotos, um sie dann, grob gerastert und ohne Umfeld, als Schwarzgrauweißbilder auf Spanplatten zu bannen. Da liegen sie nun. Männer und Frauen, denen Roig beim Ablichten sagte, sie mögen bitte mal ihr Gesicht verziehen.
Mancher Mann weint da, fast alle haben die Augen geschlossen. Eine Frau zieht einen Schmollmund mit dicken Lippen, aber sie könnte auch im Schlaf weinen. Das Publikum tritt hemmunglos auf sie drauf, auf den kippelnden, wackligen Bodenbelag. Man trampelt herum auf Männern und Frauen, denen es ohnehin nicht so gut geht. Ist das nicht realistisch?
Kuratiert hat dieses bildnerische Gleichnis der ehemalige Berliner Galerist Rafael Vostell. Beauftragt worden war er vom, aber hallo: Balearischen Ministerpräsidenten. Der erschien bei der Vernissage mit geschätztem Fünftagebart. Ob mit Bart oder ohne: Weinende Männer sind eigentlich immer sympathisch, darum fallen sie in dieser von hartem Neonlicht begleiteten Installation, die übrigens den Titel »Walking on faces« trägt, besonders angenehm auf. Zum Einfühlen und gegenseitigen Trösten. (gis)
Mancher Mann weint da, fast alle haben die Augen geschlossen. Eine Frau zieht einen Schmollmund mit dicken Lippen, aber sie könnte auch im Schlaf weinen. Das Publikum tritt hemmunglos auf sie drauf, auf den kippelnden, wackligen Bodenbelag. Man trampelt herum auf Männern und Frauen, denen es ohnehin nicht so gut geht. Ist das nicht realistisch?
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Kuratiert hat dieses bildnerische Gleichnis der ehemalige Berliner Galerist Rafael Vostell. Beauftragt worden war er vom, aber hallo: Balearischen Ministerpräsidenten. Der erschien bei der Vernissage mit geschätztem Fünftagebart. Ob mit Bart oder ohne: Weinende Männer sind eigentlich immer sympathisch, darum fallen sie in dieser von hartem Neonlicht begleiteten Installation, die übrigens den Titel »Walking on faces« trägt, besonders angenehm auf. Zum Einfühlen und gegenseitigen Trösten. (gis)
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