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»So heißt das wirklich«

Die Kreuzberger Initiative gegen Antisemitismus (KigA) wird heute in Düsseldorf vom Zentralrat der Juden mit dem Paul-Spiegel-Preis 2013 geehrt. »Die Auszeichnung ist mit 5000 Euro dotiert. Wir können das Geld gut gebrauchen«, sagt Politikwissenschaftlerin Anne Goldenbogen, die den Verein 2003 mitgegründet hat. »Uns fehlt eine institutionelle Absicherung. Wir hangeln uns von Projekt zu Projekt.« Acht Mitarbeiter entwickeln »Konzepte zum Umgang mit Antisemitismus für die Migrationsgesellschaft«. Gerade in Schulklassen geht es laut Goldenstein dabei um Diskussionen »auf Augenhöhe, ohne Beschuldigungslogik«. So lautet etwa die erste Frage eines von der KigA entwickelten Quizspiels, wer wohl 1948 als Folge des israelischen Unabhängigkeitskrieges vertrieben wurde: »Palästinenser« oder »Juden aus arabischen Staaten«. Antwort: »sowohl als auch«. Daß Antisemitismus unter Arabern besonders verbreitet sei, ist »nicht einmal empirisch bestätigt«, sagt KigA-Historiker Malte Hollerer. Rein quantitativ gebe es »keine Unterschiede zu … Herkunftsdeutschen – so heißt das wirklich«, meint er, und zuckt mit den Achseln. Deren Antisemitismus sei eher durch eine »Erinnerungs- und Schuldabwehr« begründet, äußere sich verhaltener und verbrämter. Araber sprächen direkter und rechtfertigten Vorurteile mehr mit dem Nahostkonflikt. Goldenbogen ergänzt: »In Berlin leben rund 30000 Palästinenser. Die freuen sich, wenn sie überhaupt mal über das Thema reden können.« (dapd/jW)
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Erschienen in der Ausgabe vom 16.01.2013, Seite 12, Feuilleton

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