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Free World

Auf der Straße spricht mich eine junge Frau an, ich schätze sie auf Anfang zwanzig. »Darf ich Ihnen eine Frage stellen?« Ihre Stimme hat einen osteuropäischen Akzent. In der Hoffnung, daß jetzt bitte nichts Blödes kommen möge, nicke ich ihr vorsichtig ermunternd zu. »Brauchen Sie vielleicht eine Putzfrau?«, fragt sie. »Nein, überhaupt nicht«, gebe ich zurück, und sie fragt weiter: »Können Sie mir eine Spende geben?«

Ich schüttele den Kopf und gehe weiter. Wenn mir jetzt einer vor die Füße liefe und mir etwas erzählen wollte über Freiheit, der käme wie gerufen und finge sich richtig eine ein. Aber so ist das in der freien Welt: Wenn man ausnahmsweise einen ihrer Propagandisten brauchen könnte, ist nicht einmal der zur Hand.
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Erschienen in der Ausgabe vom 09.11.2012, Seite 13, Feuilleton

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