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05.11.2012
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Kurt Gossweiler 95
Vor dreißig Jahren erschien Kurt Gossweilers Buch »Kapital, Reichswehr und NSDAP. Die Frühgeschichte – 1919 bis 1924« fast gleichzeitig in der DDR und der BRD. Anfang dieses Jahres gab der Kölner PapyRossa-Verlag die Arbeit erneut heraus (siehe Vorabdruck eines Auszuges in jW vom 2. Januar). Das Buch hat nicht nur antiquarischen Wert. In Zeiten, in denen von angeblichen Linken die Nennung des Zusammenhangs von Kapitalismus und Faschismus als »antisemitisch« oder »verschmockt antiimperialistisch« bezeichnet wird, gewinnt es nicht nur Aktualität. Es ist ein Handbuch gegen das Überschwappen des herrschenden Irrationalismus auf dieses, besonders in der Bundesrepublik umkämpfte Gebiet der Geschichte.
Im Jahr der Veröffentlichung arbeitete Kurt Gossweiler am Zentralinstitut für Geschichte der Akademie der Wissenschaften der DDR. Der antifaschistische Widerstandskämpfer, Wehrmachtsdeserteur und Kursant einer Antifa-Schule in der Sowjetunion hatte 1971 bereits den Band »Großbanken, Industriemonopole, Staat. Ökonomie und Politik des staatsmonopolistischen Kapitalismus in Deutschland 1914–1932« vorgelegt. Die Untersuchung erreichte in der westdeutschen Linken rasch den Status eines Klassikers und wurde fleißig raubkopiert. Ähnliche Resonanz hatte sein Buch über den »Putsch, der keiner war«, die Röhm-Affäre 1934. Es erschien erstmals 1983 und wurde 2009 ebenfalls von PapyRossa neu aufgelegt. Nach 1990 widmete er sich der Analyse des Niedergangs der Sowjetunion und der sozialistischen Länder (»Die Taubenfuß-Chronik oder Die Chruschtschowiade«, Zwei Bände, München 2002 und 2005). Das Thema ist auch Hauptgegenstand seines Briefwechsels mit dem Dichter Peter Hacks, der 2005 herausgegeben wurde.
Heute begeht Kurt Gossweiler seinen 95. Geburtstag in Berlin.
(jW)
Im Jahr der Veröffentlichung arbeitete Kurt Gossweiler am Zentralinstitut für Geschichte der Akademie der Wissenschaften der DDR. Der antifaschistische Widerstandskämpfer, Wehrmachtsdeserteur und Kursant einer Antifa-Schule in der Sowjetunion hatte 1971 bereits den Band »Großbanken, Industriemonopole, Staat. Ökonomie und Politik des staatsmonopolistischen Kapitalismus in Deutschland 1914–1932« vorgelegt. Die Untersuchung erreichte in der westdeutschen Linken rasch den Status eines Klassikers und wurde fleißig raubkopiert. Ähnliche Resonanz hatte sein Buch über den »Putsch, der keiner war«, die Röhm-Affäre 1934. Es erschien erstmals 1983 und wurde 2009 ebenfalls von PapyRossa neu aufgelegt. Nach 1990 widmete er sich der Analyse des Niedergangs der Sowjetunion und der sozialistischen Länder (»Die Taubenfuß-Chronik oder Die Chruschtschowiade«, Zwei Bände, München 2002 und 2005). Das Thema ist auch Hauptgegenstand seines Briefwechsels mit dem Dichter Peter Hacks, der 2005 herausgegeben wurde.
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(jW)
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