-
02.03.2011
- → Schwerpunkt
Neuerscheinung: Der Märchenprinz
Ein Jahr lang haben die FAZ-Redakteure Markus Wehner und Eckhart
Lohse an einer Biographie über Karl-Theodor zu Guttenberg
gearbeitet. Sie ging im vergangenen Monat in Druck, bevor des
Ministers Kopierqualitäten ruchbar wurden, »KT«
also noch Star im Politiktheater und Medienzirkus war. Am Montag
abend stellten die beiden ihren bei Droemer erschienen Band im
Ballsaal des Berliner Nobelhotels Adlon der versammelten
Hauptstadtpresse vor – die Stimmung gedrückt, waren die
Stunden des neuen deutschen Hoffnungsträgers doch
gezählt. »Kritisch, aber fair« wolle ihr Buch
sein, bekundeten Wehner und Lohse. Es ist bisweilen vor allem auch
von schön zu lesendem Spott. In der Einleitung
»Deutschland findet den Superstar« heißt es
über einen Auftritt des fränkischen Freiherrn im
Konrad-Adenauer-Haus unter »Hell’s
Bells«-Klängen von AC/DC: »Unter dem
hämmernden Rhythmus teilt sich die Schar der vielleicht 200
von der Jungen Union geladenen Gäste wie einst das Rote Meer
beim Auszug Mose aus Ägypten, und hindurch schreitet der
Bundesminister der Verteidigung.« Am Ende ist der
messiasgleiche Shootingstar – »der Märchenprinz,
auf den die Deutschen gewartet haben« – ein
Kleiderständer: »Ob in Kampfuniform und mit
Pilotenbrille im Bundeswehrtransporter, ob in legerer englischer
Freizeitkleidung, in Kaschmirjacke und Freizeithose am Hindukusch,
im Smoking in Bayreuth, in der Montur eines Jet-Piloten oder im
Rollkragenpulli– Guttenberg sieht immer so perfekt aus, als
sei seine Kleidung gerade für ihn gemacht.« Die knapp
400 Seiten und gut 200 Fußnoten zählende Biographie
(plus 32seitiger Bilderstrecke) kolportiert auch Guttenbergs
Lebensmaxime: »Ich habe es immer geschafft, mit relativ
geringem Aufwand relativ weit zu kommen.«
Die zweite, bereits in Druck gegebene, um die Plagiatsaffäre aktualisierte Auflage, endet laut Verlag mit dem Ausblick, man kann auch sagen, mit der Drohung: »Ganz gleich, wie die Sache ausgehen wird: Die Geschichte von Guttenberg und den Deutschen ist noch nicht zu Ende.« (rg)
Die zweite, bereits in Druck gegebene, um die Plagiatsaffäre aktualisierte Auflage, endet laut Verlag mit dem Ausblick, man kann auch sagen, mit der Drohung: »Ganz gleich, wie die Sache ausgehen wird: Die Geschichte von Guttenberg und den Deutschen ist noch nicht zu Ende.« (rg)
Anzeige
Eckart Lohse/Markus Wehner: Guttenberg - Biographie. Droemer Verlag, München 2011, 416 Seiten, 19,99 Euro
Themen:
Unabhängiger Journalismus braucht deine Unterstützung.
Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?
Durchschnittliche Bewertung: 3,0
Solidarität jetzt!
Das Verwaltungsgericht Berlin hat entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jahrlichen Verfassungsschutzberichten erwahnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden.
In unseren Augen ist das Urteil eine Einschränkung der Meinungs- und Pressefreiheit in der Bundesrepublik. Aber auch umgekehrt wird Bürgerinnen und Bürgern erschwert, sich aus verschiedenen Quellen frei zu informieren.
Genau das aber ist unser Ziel: Aufklärung mit gut gemachtem Journalismus. Sie können das unterstützen. Darum: junge Welt abonnieren für die Pressefreiheit!
→ mehr aus dem Ressort Schwerpunkt