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Bestochen

Die Verleihung der 68. Golden Globe Awards in der Nacht zu Montag wird von Bestechungsvorwürfen überschattet. Der langjährige Pressesprecher der begehrten US-Film- und Fernsehpreise, Michael Russell, hat am Donnerstag Klage gegen den Verband der Auslandskorrespondenten in Hollywood eingereicht, wie das Branchenblatt The Hollywood Reporter berichtete. Russell bezichtigt die rund 90 Mitglieder der Hollywood Foreign Press Association (HFPA), die die Golden Globes vergibt, sich eine Nominierung für bestimmte Filme mit Luxusreisen und Geschenken entlohnen zu lassen.

Russell machte in der am Obersten Gericht von Los Angeles eingereichten Klage geltend, wegen seiner Bedenken von der HFPA entlassen worden zu sein, wie es weiter hieß. Russell zufolge soll Verbandspräsident Philip Berk eingeräumt haben, daß seine Organisation korrupt sei. »Die meisten Mitglieder der HFPA sind keine Vollzeitjournalisten und sind abhängig von dem Einkommen, das diese fragwürdigen Praktiken jedes Jahr generieren«, zitierte das Blatt aus der Klageschrift.
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Der Presseagent warf den Filmkritikern ferner vor, sich von Studios und Produzenten für Lobbyarbeit bezahlen zu lassen. Außerdem würden sie Presseplätze am roten Teppich gegen Geld vergeben. Russell hatte die Golden Globes dem Bericht zufolge seit 1993 vertreten und war im vergangenen Jahr gefeuert worden.

Dem Verband der Auslandskorrespondenten werden seit langem zu enge Verbindungen zu den Filmstudios und ein zu großes Augenmerk auf den Prominentenstatus der nominierten Schauspieler vorgeworfen. Kritik hatte es auch an der Nominierung der Hauptdarsteller Johnny Depp und Angelina Jolie im weithin verrissenen Film »The Tourist« des Regisseurs Florian Henckel von Donnersmarck gegeben. (dapd/jW)
junge Welt

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Erschienen in der Ausgabe vom 15.01.2011, Seite 12, Feuilleton

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