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Aufputz und Enttäuschung

Noch am Mittwoch hatte der Berliner Dichter, Denker und Deutschland, Neues-Schreiber Hans-Dieter Schütt orakelt: »Aufputz und Aufschrei bilden die beiden Seiten einer Messe-Medaille – die in jedem Falle Kehrseiten sind« und schon am Donnerstag hatte der peruanische Schriftsteller Mario Vargas Llosa den Literaturnobelpreis in der Tasche. Hören Sie hierzu eine mustergültige Stimme aus der Seniorenresidenz des deutschen Geisteslebens: »Tief enttäuscht« über die Nobelpreispolitik zeigte sich der 90jährige Marcel Reich-Ranicki, obzwar er Llosa »ohne Zweifel« schätze. Ihn mit ­Gustave Flaubert zu vergleichen, sei »ein bißchen zuviel des Guten«, eher sei Llosa in der Nähe von William Faulkner zu sehen. Die Mitteilung der Königlich Schwedischen Akademie der Wissenschaften in Stockholm habe ihn »vollkommen überrascht«, sagte Reich-Ranicki. »Ich habe gedacht, es wäre ein vollkommen unbekannter mongolischer Poet.« (dapd/jW)
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Erschienen in der Ausgabe vom 08.10.2010, Seite 13, Feuilleton

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