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23.08.2010
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Zivile Zensur
Früher war hier Kommunismus geplant: Mitte Juli ging im
Moskauer Bezirksgericht ein spektakulärer Prozeß zu
Ende. Der ehemalige Direktor des Sacharow-Museums Juri Samodurow
und Andrej Jerofejew, Exkurator der Tretjakow-Galerie, wurden zu
Geldstrafen von umgerechnet 5100 und 3800 Euro verurteilt. Ihnen
wurde »Gotteslästerung« vorgeworfen, nachdem sie
2007 die Ausstellung »Verbotene Kunst« organisiert
hatten. In ihr präsentierten sie zahlreiche Werke der
Gegenwartskunst, die Opfer der Zensur geworden waren, zum Beispiel
ein Madonnenbildnis aus schwarzem Kaviar von Alexander Kosolapow
oder eine Jesusfigur mit Mickeymaus-Kopf von Alexander Sawko.
Orthodoxe Christen fühlten sich angegriffen und brachten den
Fall vor Gericht, 600 namhafte Künstler und Intellektuelle
solidarisierten sich mit den Kuratoren. Im Interview mit dem
Kunstmagazin Art erklärt nun Viktor Misiano, Kurator und einer
der führenden Kunstexperten Rußlands, daß dieser
Skandal vorhersehbar, wenn nicht gar geplant war. Denn durch ihn
sei – anders als man meinen könnte – die
»russische Zivilgesellschaft« gestärkt
worden.
(ots/jW)
(ots/jW)
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