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Tagebuch eines Fußballmuffels

Von Maik Hölzel
Ich habe es vermasselt. Dieser Mann mit der bizarren Frisur, der jetzt wohl Bundespräsident geworden ist, Netzer heißt er, hatte mich eindringlich über eine Fernsehbotschaft aufgefordert, am Freitag mittag meinem Land beizustehen. Er blickte dabei sehr ernst und traurig. Es stand wohl eine Entscheidungsschlacht bevor. Ich wollte aber das schöne Wetter nutzen und bin an einen See gefahren. Es war angenehm einsam dort, nicht einmal Bienen summten.

Als ich in die Stadt zurückfuhr, ahnte ich, was ich Deutschland angetan hatte. Überall traurige und müde Gesichter, selbst die Fähnchen hingen trostlos aus Fenstern und an Autos. Auf dem Kurfürstendamm hingegen ein Triumphzug serbischer Flaggen. Deutschland war wohl besetzt worden, während ich sorglos die Beine im Wasser baumeln ließ.
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Das wollte ich nicht – ehrlich! Mit eingezogenem Kopf schlich ich mich still nach Hause und hoffte, daß in den Nachrichten noch nicht gemeldet wurde, wer für den Dolchstoß in den Rücken der Nation verantwortlich war.
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Erschienen in der Ausgabe vom 21.06.2010, Seite 16, Sport

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