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Aschers Mittwoch

Ascher gegen Jahn – Ein Freiheitskrieg«, heißt ein Essay von Peter Hacks, den gelesen haben muß, wer den deutschen Nationalismus nicht für eine läppische Modeerscheinung und Friedrich Ludwig Jahn nicht für den »Turnvater« halten will, als der dieser rasende Teutone noch heute verehrt und verharmlost wird. 1810, vor 200 Jahren, gründete Jahn seinen »Deutschen Bund«, der schon 1817 auf der Wartburg zu seiner wahren Bestimmung fand und die erste Bücherverbrennung organisierte. Verbrannt wurde Saul Aschers Schrift »Die Germanomanie«; die Begleitworte lauteten: »Wehe über die Juden, so da festhalten an ihrem Judentum und wollen über unser Volkstum und Deutschtum schmähen und spotten!« Das griff ein gewisser Goebbels 116 Jahre später gern auf; er war aber nicht der erste, er bediente sich nur bei den tödlichen Hetzern der deutschen Romantik. Ob der 6. Politische Aschermittwoch, zu dem der Dritteltornado Arnulf Rating am 17. Februar in die Arena in Berlin-Treptow lädt, auch ein Ascher-Mittwoch wird, wissen wir nicht. Da sich unter den auftretenden politischen Analytikern und satirischen Kräften wie Horst Evers, Uwe Steimle, Florian Schroeder, Cloozy und Gastgeber Rating auch Wiglaf Droste und Danny Dziuk befinden, die u.a. zwei nagelneue Lieder präsentieren werden, darf poetische wie polemische anti-germanomanische Geschliffenheit erwartet werden. Beginn ist 20 Uhr, zum Auftakt spielt die IG Blech. (jW)
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Erschienen in der Ausgabe vom 16.02.2010, Seite 12, Feuilleton

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