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Wolfgang Hart­mann tot

Nach schwerer Krankheit ist im Alter von 79 Jahren in Berlin Wolfgang Hartmann gestorben. Anfang der 60er Jahre schickte ihn die Hauptverwaltung Aufklärung in den Westen, wo er 1965 einen Studenten in Heidelberg anwarb, der dann im Bonner Auswärtigen Amt als Diplomat Karriere machte. Diese Verbindung sollte Hartmann ein Vierteljahrhundert beschäftigen. Er war der Führungsoffizier eines Diplomaten, der ihn für »Herrn Salzmann« aus dem Topmanagement eines der großen bundesdeutschen Unternehmerverbände hielt. 1990 wurde der Mann in Bonn verraten und verhaftet. Er bestritt, für die DDR spioniert zu haben, schließlich sei er Antikommunist. Das hielt man für eine Schutzbehauptung. Bei dem Antikommunisten waren eine Reihe Urlaubsfotos gefunden worden, die ihn mit Hartmann beim Urlaub am Mittelmeer zeigten. Die Ermittlungsbehörden spürten Hartmann in Ostberlin auf. Er bestätigte, was der Antikommunist erzählt hatte. Der Diplomat war »unter fremder Flagge« geworben und geführt worden, man mußte ihn laufen lassen. Diese Geschichte machte Hartmann erstmals in dem Sammelband »Top-Spione in Westen« (2008, edition ost) öffentlich. (jW)
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Erschienen in der Ausgabe vom 14.03.2009, Seite 12, Feuilleton

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