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13.12.2022 19:30 Uhr

»Es braucht Aktionen in Schule, Uni und Betrieb«

SDAJ widmet sich auf Rosa-Luxemburg-Konferenz den Auswirkungen der Inflation auf die Jugend. Ein Gespräch mit Marie-Luise Freudenberg
Interview: Jan Greve
SDAJ-Demonstration für eine gerechte Bildungspolitik (München, 26.2.2021)

Bei der Internationalen Rosa-Luxemburg-Konferenz am 14. Januar 2023 wird es wieder das Jugendpodium der SDAJ geben. »Inflation trifft Jugend – Widerstand als Antwort« lautet das Thema. Wie wirken sich die aktuellen Preissteigerungen auf junge Menschen aus?

Auch wenn der Begriff nicht schön ist: Wir sind nun mal Geringverdiener. In der Ausbildung bekommen viele junge Menschen zu wenig Lohn, und die Mehrheit der Studierenden muss arbeiten gehen, um den Lebensunterhalt zu sichern. Bei Schülern ist es noch deutlicher, die mehr oder weniger vom Gehalt ihrer Eltern abhängig sind. Zweitens: In den öffentlichen Einrichtungen wie Schule oder Universität, in denen wir einen Großteil unseres Alltags verbringen, wird etwa mit Verweis auf steigende Heizkosten erheblich eingespart und gekürzt. Kurzum: Wir haben weniger Geld, und unsere Interessen werden zumeist ignoriert.

Die aktuelle Entwicklung trifft Jugendliche, die in den vergangenen bald drei Jahren in Folge der Coronamaßnahmen keinen normalen Alltag hatten.

Während der Pandemie wurden viele Freizeitmöglichkeiten von Kindern und Jugendlichen eingeschränkt. Dieser Trend ist noch lange nicht gestoppt, es fehlt an Geld. Zudem bestehen Lerndefizite von Schülern, die über längere Zeit nur Onlineunterricht hatten, fort. Zu Hause auf engem Raum zeitgleich mit seinen Geschwistern pauken – mit normalem Lernen hat das nichts zu tun.

Ihre Antwort auf diese Probleme lautet Widerstand. Wie soll der konkret aussehen?

Zunächst müssen wir feststellen, dass der Widerstand noch nicht so groß ist, wie es wünschenswert wäre. Viele haben noch nicht erkannt, dass es Profiteure der aktuellen Preissteigerungen gibt. Wir wollen aufzeigen, dass es hier um eine Klassenfrage geht. Widerstand braucht es in der Schule, in der Uni, im Betrieb. Ein Beispiel: Unistreiks und Hörsaalbesetzungen, wie es sie in Darmstadt gegeben hat. Dort protestierten Studierende gegen Pläne, die Lehre nur digital stattfinden zu lassen – und gleichzeitig streikten Unibeschäftigte für bessere Arbeitsbedingungen und höhere Löhne.

Wie kontrovers geht es bei Debatten innerhalb der SDAJ zu? Nicht zuletzt der Ukraine-Krieg hat gezeigt, dass einige sich als links verstehende Gruppen plötzlich Waffenlieferungen befürworten.

Im Verband gibt es dazu keine Kontroversen: Wir wollen keine Aggressionen seitens der NATO, keine Waffenlieferungen – und vor allem keine 100 Milliarden Euro für ein »Sondervermögen« der Bundeswehr. Das Geld wäre besser im Sinne der Jugendlichen investiert.

Zuletzt wurde im Zusammenhang von »Jugend« und »Widerstand« viel über die Proteste der »Letzten Generation« gesprochen. Was halten Sie von deren Zielen und Aktionsformen?

Wir werden uns nicht auf die Straße kleben, das ist klar. Unser Ziel ist es, die breite Masse zu erreichen, durch Gespräche und Aktionen in Schule, Uni und Betrieb sowie auf der Straße. Auch wir kämpfen gegen die Naturzerstörung und sehen die Notwendigkeit, dass Umwelt- und Arbeiterbewegung Hand in Hand gehen, beispielsweise im Zuge der Transformation der Produktion oder in Tarifrunden im Nahverkehr. Dafür sind allerdings Aktionsformen nötig, die die Beschäftigten miteinbeziehen. Mit der Razzia gegen Aktivistinnen und Aktivisten der »Letzten Generation« am Dienstag soll Widerstand gegen Umweltzerstörung insgesamt diskreditiert werden. Das kritisieren wir deutlich.

Zurück zur Rosa-Luxemburg-Konferenz: Nachdem auch das Jugendpodium coronabedingt zuletzt nur über Onlinestream verfolgt werden konnte, werden am 14. Januar 2023 wieder rund 3.000 Menschen in Berlin vor Ort sein. Welche Bedeutung hat das für die SDAJ?

Es ist grandios, die Konferenz wieder richtig erleben zu können. Endlich mit Genossinnen und Genossen zusammenkommen, sich austauschen und ein starkes Signal des Widerstands senden – darauf freuen wir uns sehr!

Marie-Luise Freudenberg ist Mitglied im Bundesvorstand der Sozialistischen Deutschen Arbeiterjugend (SDAJ)

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