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Ethisch gerichtet

Problem, Problem. Immer wieder Bild-Zeitung

Angeblich glauben nur zehn Prozent aller Leser der Bild-Zeitung, daß darin alles stimmen tut. Trotzdem ist sie das größte und mächtigste Printmedium der BRD. Sie ist viel weniger witzig, Pop und bizarr, als manche Leute annehmen, sondern in erster Linie dumpf und reaktionär. Kürzlich erst brachte sie Gert Winkelmeier, bis dato Mitglied der Bundestagsfraktion der Linkspartei, in Bedrängnis, in dem sie diesen penetrant als »Puff-Politiker« betitelt hatte. Das darf sie nun nicht mehr, am letzten Freitag gab Bild eine entsprechende Unterlassungserklärung ab, wie das empfehlenswerte Internetmedium www.bildblog.de berichtet. Daß das unzulässig ist, stehe außer Frage, sagteWinkelmeiers Anwalt Jony Eisenberg. Nicht nur, weil dem Politiker keineswegs vorgeworfen werde, selbst als Zuhälter gearbeitet oder das Bordell betrieben zu haben. Sondern auch, weil es sich um eine unzulässige »Schmähung« handele, mit dem Ziel, den Mann verächtlich zu machen. Winkelmeier wurde vor rund zehn Jahren Miteigentümer eines Hauses in Neuwied. Zu den Mietern gehörten unter anderem auch Prostituierte, die dort ihrer Arbeit nachgingen. Mittlerweile hat bild.de sämtliche Artikel über Winkelmaier gelöscht.

Passend hierzu veranstaltet heute Klaus Bittermann »den großen Bild-Bashing-Abend« in seinem Berliner »Club der letzten Gerechten« mit Stargast Gerhard Henschel. Für diesen gurgelt in der Bild-Zeitung auch weiterhin »der Gully obszön vor sich hin. Wer in dieses Abflußrohr hinabsteigt, der hat seinen Geist aufgegeben. Wer Bild als Kolumnist oder Interviewpartner dient, der ist ethisch gerichtet und hat seinen intellektuellen und moralischen Bankrott erklärt.« (jW)
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Im Festsaal Kreuzberg, Skalitzer Str. 130, Berlin, 21 Uhr

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Erschienen in der Ausgabe vom 23.02.2006, Seite 12, Feuilleton

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