Zum Inhalt der Seite
Nahostkonflikt

Israel belagert Westbank

Angeblich zweiter »7. Oktober« verhindert

Foto: Ammar Awad/REUTERS
Ein israelischer Soldat wacht über einen Besuch Netanjahus in der belagerten Stadt Hebron (23.10.2026)

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat am Freitag morgen die Belagerung der palästinensischen Stadt Hebron und eine vollständige Blockade der gesamten Westbank angeordnet. Damit verschärft sich die Lage für etwa drei Millionen Palästinenser, die in dem von Israel seit 1967 illegal besetzten Gebiet leben. Netanjahu erklärte via Kurznachrichtendienst X, Hebron sofort und vollständig abriegeln zu lassen. Außerdem wies er die israelische Armee an, einen »Lockdown« über das gesamte Westjordanland vorzubereiten, der ab dem gleichen Tag gelten solle.

Die Maßnahmen werden mit einem Angriff auf die israelische Armee in den frühen Morgenstunden begründet, bei dem laut Medienberichten die beiden Angreifer und zwei Soldaten getötet wurden. Dazu wurde behauptet, dass die Armee mit ihrem Einsatz einen zweiten »7. Oktober« verhindert habe. Israels ultrarechter Finanzminister Bezalel Smotrich forderte eine umfassende Militärkampagne in der besetzten Westbank. »Es führt kein Weg an einer umfassenden Militäroperation vorbei, um die Palästinensische Autonomiebehörde zu zerschlagen, Waffen einzuziehen und terroristische Kämpfer zu eliminieren. Genau wie im Gazastreifen und im Libanon«, schrieb Smotrich. »Für die nächste Regierung wird dies eine der ersten Maßnahmen sein, die wir einfordern und umsetzen müssen.«

Anzeige

Die Kollektivbestrafung der palästinensischen Bevölkerung in der Westbank muss im Zusammenhang mit den Parlamentswahlen in Israel betrachtet werden. Diese sollen am Dienstag stattfinden. Aktuelle Umfragen zeigen ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Netanjahu und seinem Herausforderer Gadi Eisenkot. Für Netanjahu könnte eine Wahlniederlage schwere Folgen haben. So müsste er sich dann weiter wegen Korruptionsvorwürfen vor Gericht verantworten. Auch der Haftbefehl des Internationalen Strafgerichtshofs könnte ihn einholen. Im Wahlkampf bezichtigt er die Oppositionskräfte, sie würden im Fall eines Wahlsiegs einen palästinensischen Staat zulassen und die Kriege in Gaza, im Libanon oder gegen Iran beenden.

→ Sie können uns auch mit einer Spende unterstützen
Erschienen in der Ausgabe vom 24.10.2026, Seite 7, Ausland

Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?

→ Teilen und weiterempfehlen
Pressefreiheit schützen, Solidarität jetzt!

Das Verwaltungsgericht Berlin hat im Juli 2024 in der ersten Instanz entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jährlichen Verfassungsschutzberichten erwähnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden. Seit vielen Monaten warten Verlag und Redaktion inzwischen auf eine Entscheidung des Gerichtes, ob eine Berufung möglich oder gleich ein Gang vor das oberste Gericht nötig ist.

In unseren Augen ist das Urteil eine Einschränkung der Meinungs- und Pressefreiheit in der Bundesrepublik. Aber auch umgekehrt wird Bürgerinnen und Bürgern erschwert, sich aus verschiedenen Quellen frei zu informieren.

Genau das aber ist unser Ziel: Aufklärung mit gut gemachtem Journalismus. Sie können das unterstützen. Darum: junge Welt abonnieren für die Pressefreiheit!