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»Wish for a baby«

Kinderwunsch ohne »Leihmütter«

Stadt Köln will Anbieter von Messe »Wish for a baby« ausschließen – zumindest auf dem Papier. Denn das Geschäft mit gekauften Schwangerschaften boomt

Foto: Christoph Hardt/Panama Pictures/imago
»Keine Maschinen der Reproduktion«: Feministischer Protest gegen die sogenannte Lebensrechtsbewegung in Köln (19.9.2026)

Keine Werbung für oder sogar Anbahnung von Leihmutterschaft mehr auf der Kinderwunschmesse in Köln. Die Stadt hat den Anbieter »Nordic Surrogacy« von der Veranstaltung mit dem Namen »Wish for a Baby« Mitte Oktober ausgeschlossen und generell die Messe nur unter der Auflage genehmigt, dass dort keine Leihmutterschaft vermittelt oder beworben wird. Das teilte der Verein »Frauenheldinnnen« am Montag mit. Demnach kündigte die Stadt an, Verletzungen dieser Auflage mit einer Zwangsgeldandrohung zu versehen.

Der Verein hatte im Sommer einen entsprechenden Antrag an die Stadt gestellt, denn die Auflage gab es offiziell bereits in den Vorjahren, sie wurde aber nicht durchgesetzt. Das schütze niemanden, kommentierte der Verfahrensbeistand des Vereins, Rechtsanwalt Jonas Jacob, das Ergebnis. »Deshalb ist ihre Absicherung ebenso wichtig wie der Ausschluss selbst.« Auf der Seite der Messe war der schwedische Anbieter bis jW-Redaktionsschluss allerdings noch immer gelistet, genau wie andere Vermittler von Leihmutterschaften aus Kanada, den USA oder der Ukraine. Für den Verein hat unter anderem Olivia Maurel den Antrag gestellt: »Als Mensch, der selbst durch Leihmutterschaft zur Welt kam, habe ich mich diesem Antrag angeschlossen, weil ein Verbot kaum etwas bedeutet, solange Unternehmen in einer deutschen Messehalle stehen dürfen und offen Menschen anwerben, um im Ausland das zu tun, was das deutsche Recht im Inland verhindern soll«, positionierte sie sich in einer Presseerklärung.

Maurel engagiert sich im Rahmen der »Erklärung von Casablanca für die weltweite Abschaffung der Leihmutterschaft« von 2023. Sie wurde in der marokkanischen Stadt von 100 Vertretern aus 75 Ländern unterzeichnet. Der Zusammenschluss von Wissenschaftlern, Experten und Verbänden setzt sich für ein internationales Abkommen zur Abschaffung von Leihmutterschaft ein. Dabei betonen die Unterzeichner, dass sie sich sehr wohl darüber bewusst sind, dass ungewollte Kinderlosigkeit schlimme Leiden verursachen kann und moderne Reproduktionstechniken in diesen Fällen eine große Attraktivität haben können. Sie sind allerdings überzeugt davon, dass alle Verträge, mit denen Schwangerschaften vereinbart werden, um das Kind nach der Geburt einem Auftraggeber zu übergeben, letztlich die Kommerzialisierung von Frauen und Kindern bedeute und damit gegen die Menschenwürde verstoße. Dies gelte unabhängig davon, wie die Vertragsbedingungen ausgestaltet seien.

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In dem Aspekt entspricht die Erklärung der geltenden Rechtsprechung in Deutschland, in der nicht zwischen der kommerziellen und der sogenannten altruistischen Leihmutterschaft unterschieden wird. Beide sind verboten, auch wenn es Debatten gibt, letztere hierzulande zu ermöglichen. Die Unterzeichner der Erklärung gehen aber auch noch einen Schritt weiter: Sie fordern die Staaten nicht nur auf, Leihmutterschaft zu untersagen, sondern auch Einzelpersonen und Vermittlungsagenturen, die Leihmutterschaft nutzen, zu bestrafen, die Anbahnung unter Strafe zu stellen und Staatsbürger, die von Leihmutterschaft profitiert haben, rechtlich zu verfolgen. Letzteres wäre in der Logik auf die CDU-Politiker Jens Spahn und Hendrik Streeck anwendbar, die in diesem Jahr jeweils mit ihrem Ehepartner via Leihmutterschaft im Ausland Eltern wurden.

Gleichzeitig hat die Partei ihr eigenes Bekenntnis zu einem Verbot jeglicher Leihmutterschaft erst im Februar auf einem Parteitag bekräftigt. Spahn war Vorsitzender der Unionsfraktion bis die Umstände der Geburt seines Kindes bekannt wurden. Streeck ist Beauftragter der Bundesregierung für Sucht und Drogen. Insbesondere dem Hardliner Spahn ist seine Doppelmoral innerparteilich auf die Füße gefallen, er bekleidet in der Fraktion kein Amt mehr. Sein Rücktritt vom Vorsitz leitete den Kabinettsumbau des christdemokratischen Teils der Bundesregierung ein, den wir im Sommer erlebt haben. Und natürlich ist sein Handeln einerseits ein deutliches Symbol für grenzenlose Abgehobenheit, wenn Regeln, die von der eigenen Partei in Regierungsverantwortung verteidigt werden, persönlich umgangen werden, indem man sein Vorhaben einfach im Ausland umsetzt. Bei Spahn kommt hinzu, dass er bis 2021 Bundesgesundheitsminister war, also dem Ressort vorstand, bei dem Änderungen im Embryonenschutzgesetz diskutiert und umgesetzt werden müssten. Er hat niemals einen solchen Vorstoß unternommen.

Sein Handeln verdeutlicht aber auch, wie riesig der globale Markt für das Geschäft mit dem Kinderwunsch mittlerweile ist. Menschen, die über das nötige Kleingeld verfügen, haben viele Möglichkeiten, ungewollter Kinderlosigkeit zu begegnen. Egal scheinen dabei gesundheitliche Folgen für die austragenden Frauen zu sein, die darüber hinaus ökonomisch ausgebeutet werden. Allein im Jahr 2023 wurde der weltweite Markt für Leihmutterschaft auf fast 15 Milliarden US-Dollar geschätzt. Für 2025 kann man von rund 27 Milliarden ausgehen, und bis 2034 wird ein Anstieg auf mehr als 200 Milliarden US-Dollar erwartet. Leihmütter erhalten je nach Herkunftsland nach Angaben der UN-Sonderberichterstatterin für Gewalt gegen Frauen und Mädchen, Reem Alsalem, zwischen zehn und 27 Prozent der gezahlten Summe, während Agenturen, Kliniken, Vermittler und andere kommerzielle Akteure den überwiegenden Teil der Gewinne einbehalten.

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Erschienen in der Ausgabe vom 09.10.2026, Seite 15, Feminismus

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