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BAföG

Studis ohne Geld

Paritätischer zur Lage von Studierenden vor: Über 80 Prozent der Alleinlebenden fristen demnach ein Dasein unter der Armutsgrenze

Foto: Matthias Balk/dpa
Mehr als die Hälfte ihres Monatsbudgets müssen Abertausende Studenten allein für die Unterkunft aufbringen

Immer mehr Studentinnen und Studenten leben in Armut. Vor allem jene, die allein leben, kommen kaum noch über die Runden. Das ist eines der alarmierenden Ergebnisse einer Untersuchung der Paritätischen Forschungsstelle, die der Paritätische Gesamtverband und das Deutsche Studierendenwerk am Mittwoch vorgestellt haben. Die Analyse war anlässlich des Regierungsentwurfs zur Novellierung des Bundesausbildungsförderungsgesetzes (BaföG) in Auftrag gegeben worden.

Die Ergebnisse sind erschütternd: 82,4 Prozent der alleinlebenden Studenten fristeten 2025 ein Dasein unterhalb der Armutsgrenze. Auch wenn man die Gesamtheit der Studierenden in den Blick nimmt, ergibt sich mit 37,8 Prozent Armutsbetroffenen ein Anteil, der deutlich über den 16,1 Prozent Armen in der Gesamtbevölkerung liegt. Kaum verwundern kann dabei, dass vor allem die immer weiter steigenden Wohnkosten das Budget der angehenden Arbeitskräfte – bekanntlich bei weitem nicht nur jener für den Wissenschaftsbereich – belasten. Im Mittel wenden die alleinlebenden Studenten dafür 48,9 Prozent ihres verfügbaren Einkommens auf, bei über der Hälfte sind es mehr als 50 Prozent. Für Miete und Nebenkosten fallen im Median 461 Euro an, also im Einzelfall auch erheblich höhere Beträge. Die aktuelle BAföG-Wohnkostenpauschale beträgt hingegen nur 380 Euro. Das mittlere Nettoeinkommen der Single-Studentenhaushalte wird in der Untersuchung für 2025 auf 900 Euro beziffert.

Damit bleiben nach Adam Riese dem Durchschnittsstudenten gerade noch 439 Euro für alle übrigen Kosten des Alltags – angefangen bei Lebensmitteln und Hygieneartikeln bis hin zu den nicht ganz unwichtigen studienbezogenen Anschaffungen. Für das eigentliche Studium bleibt dadurch nicht allzu viel Zeit, denn gerade die Alleinlebenden aus der analysierten Gruppe müssen oft einer Erwerbsarbeit nachgehen, um über die Runden zu kommen: Zu 43,1 Prozent stammt ihr Einkommen aus Lohn oder Gehalt, während BAföG und andere Ausbildungsbeihilfen durchschnittlich nur magere 13,8 Prozent zum Haushaltsbudget beitragen.

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»Die Ergebnisse belegen die finanzielle Not vieler Studierender«, erklärte Joachim Rock, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbandes. »Fast die Hälfte des Einkommens geht fürs Wohnen drauf, und was übrig bleibt, reicht nicht einmal an den BAföG-Grundbedarf heran.« Das betreffe acht von zehn alleinlebenden Studenten, aber »auch in Wohngemeinschaften ist die Lage alles andere als entspannt«. Im übrigen zeigt die Erhebung, wie gering die Reichweite des BAföGs mittlerweile geworden ist: Lag die Zahl geförderter Studenten 2012 bei durchschnittlich rund 440.000, waren es 2025 nur noch etwas weniger als 300.000.

Die Bundesregierung befasst sich unterdessen mit dem Entwurf der 30. BAföG-Novelle, die höhere Bedarfssätze, eine regelbasierte Anpassung der Freibeträge sowie ein vereinfachtes digitales Antragsverfahren beinhalten soll. Aus Sicht des Paritätischen Gesamtverbandes und des Studierendenwerkes setzten diese Änderungen zwar an wichtigen Schwachstellen an, reichten aber bei weitem nicht aus, um die Lebenssituation der Studenten grundlegend zu verbessern: »Notwendig sind existenzsichernde Bedarfssätze, eine realitätsgerechte Wohnkostenabsicherung und eine dauerhafte regelgebundene Anpassung der Leistungen an die tatsächliche Kostenentwicklung«, hieß es seitens des Sozialverbands.

Der Start des Wintersemesters 2026/27 sei ein Anlass, die geplanten Gesetzesänderungen mit der Realität vieler Studenten abzugleichen, betonen die Organisationen. Trotz richtiger Ansätze blieben die vorgesehenen Verbesserungen hinter dem Bedarf zurück. Außerdem kämen die Erhöhungen von Grundbedarf und Wohnkostenpauschale zu spät und reichten angesichts der bereits heute hohen Lebenshaltungs- und Wohnkosten nicht aus.

Die in der Untersuchung präsentierten Ergebnisse zur aktuellen finanziellen Lage der Studenten zeigten deutlich, dass dringend nachgebessert werden müsse. Das gelte ebenso für den Mechanismus, das BAföG fortlaufend an die tatsächliche Kosten- und Einkommensentwicklung anzupassen. »Ziel muss ein BAföG sein, das nicht nur formal den Zugang zu einer Förderung ermöglicht, sondern den Lebensunterhalt während des Studiums tatsächlich absichert und wieder deutlich mehr Studierende erreicht.« Die 30. Novelle dieses Gesetzes sei ein wichtiger Reformschritt, »schöpft die Chance für eine grundlegende Stärkung des BAföG bislang jedoch nicht aus«.

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Erschienen in der Ausgabe vom 08.10.2026, Seite 5, Inland

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