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Sportpolitik

Reine Formsache

Die Tücken der Nachfolge an der DOSB-Spitze

Foto: Marijan Murat/dpa
Ein designierter DOSB-Präsident: Michael Mronz

Ein unwürdiges Schauspiel war dieser Tage zu beobachten, bei dem vor allem die sportpolitische Glaubwürdigkeit zu leiden hatte. Noch bis zum 30. Oktober sind bei der vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) eingerichteten Findungskommission die Türen offen für offizielle Bewerbungen um präsidiale Ämter, über die am 5. Dezember die Mitgliederversammlung abstimmt. Folgerichtig wäre, dass bis Ende dieses Monats zunächst die Namen der Interessenten gesammelt und daraus anschließend die Wahlvorschläge ausgewählt würden. Nicht so beim DOSB. Alfons Hölzl, Präsident des Deutschen Turner-Bundes, ließ in seiner Funktion als Koordinator des besagten Gremiums zu Beginn dieser Woche, fast vier Wochen vor Ablauf der Bewerbungsfrist, eine Pressemitteilung verschicken. Überschrift: »Findungskommission empfiehlt Michael Mronz als DOSB-Präsidentschaftskandidat«.

Es kommt noch besser. Am 26. September saß jener Michael Mronz, seit 2023 Mitglied des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), mit dem amtierenden DOSB-Präsidenten Thomas Weikert im »Aktuellen Sportstudio«. Ob er Anfang Dezember noch einmal für dieses Amt kandidieren werde, wurde Weikert von Moderator Jochen Breyer gefragt. Die Antwort: Entschieden habe er sich bereits, er wolle sich jedoch erst in den nächsten Tagen äußern. Frage an Mronz: Strebe er an die DOSB-Spitze, falls Weikert nicht mehr antritt? Seine Antwort: Diese Frage stelle sich noch gar nicht. Der Respekt gegenüber dem Nochamtsinhaber gebiete es, abzuwarten, bis der sich offiziell erklärt habe.

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Weikerts Wort, er werde sein Amt aufgeben, folgte am 1. Oktober – einen Tag, bevor in der Sportschule Oberhaching Vertreter von Spitzenverbänden und Landessportbünden über eine Empfehlung der Findungskommission berieten, »Michael Mronz als Kandidaten für das Amt des DOSB-Präsidenten« vorzuschlagen. Spätestens jetzt entpuppte sich dessen »Sportstudio«-Aussage als höfliche Täuschung. Er hat mitnichten abgewartet, bis Weikert seinen Rückzug verkündete – seine Ambitionen hatte er längst vorher bei der Findungskommission angemeldet. Wie sonst wäre es möglich gewesen, dass nur 24 Stunden nach Weikerts Rückzug eine DOSB-Tagung stattfand mit der »Personalie Mronz« im Zentrum?

Nicht wenige hätten es bei diesem Treffen am vorigen Freitag gern gesehen, dass man sich gleich an Ort und Stelle einhellig auf Mronz als neuen Präsidenten verständigt hätte. Die Wahl am 5. Dezember wäre so zur farcenhaften Formsache verkommen. Was soll’s. So schlimm ist’s zum Glück nicht gekommen. An der Schmierenkomödie der vergangenen Tage ändert das rein gar nichts.

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Erschienen in der Ausgabe vom 07.10.2026, Seite 16, Sport

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