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Aufrüstungspolitik

Zuwachs für Israels Kriegsflotte

Rüstungskooperation mit BRD-Partner Thyssen-Krupp Marine Systems. U-Boot-Bau mit Abschussvorrichtung für nuklear bestückte Marschflugkörper

Foto: SULUPRESS.DE/picture alliance
Im Fall einer absehbaren militärischen Niederlage droht als Gegenschlag ein atomares Inferno

Seit dem 24. September liegt das sechste U-Boot der israelischen Kriegsmarine vor Haifa. Wie die anderen fünf wurde die »Drakon« in Deutschland, hauptsächlich in Kiel, gebaut. Dort war sie am 1. September zu der rund 7.000 Kilometer langen Überfahrt gestartet. Deutscher Partner ist das Rüstungsunternehmen Thyssen-Krupp Marine Systems (TKMS). Als die deutsch-israelische Kooperation in diesem Sektor Anfang der 1990er Jahre entstand, wurden die ersten U-Boote für den zionistischen Staat noch von den Kieler Howaldtwerken (HDW) entwickelt und gebaut. Im Januar 2005 wurde HDW durch Fusion eine Tochtergesellschaft von TKMS, im Dezember 2012 verschwand der Traditions­name des deutschen Schiffbaus ganz.

Schon bei den ersten drei in Deutschland gebauten U-Booten für Israel, die 1999 und 2000 abgeliefert wurden, gab es Spekulationen mit einem sehr hohen Wahrscheinlichkeitsgrad, dass diese dort technisch »nachgerüstet« würden, um den Abschuss von Marschflugkörpern mit nuklearen Sprengköpfen durch einige der waagerecht angebrachten Torpedorohre zu ermöglichen. Die U-Boote seien, so wurde von Anfang an vermutet, Teil einer »Triade« – Träger auf dem Land, in der Luft und auf dem Wasser –, auf denen Israel eine atomare Zweitschlagfähigkeit aufgebaut habe. Die dort politisch und militärisch Verantwortlichen sprechen zwar nicht absolut explizit, aber trotzdem unmissverständlich von einer strategischen »Samson-Option«: Der zionistische Staat soll im Fall einer drohenden militärischen Niederlage imstande sein, im Gegenschlag ein atomares Inferno auszulösen. Namensgeber ist Samson, hebräisch eigentlich Schimschon, der als jüdischer Gefangener bei den Philistern die Säulen eines Tempels zum Einsturz brachte, unter dessen Trümmern seine Feinde ebenso starben wie er selbst. Die Geschichte steht im biblischen »Buch der Richter«.

Seit Beginn der deutsch-israelischen U-Boot-Kooperation sind mehr als 35 Jahre vergangen. Auf die drei Schiffe der Dolphin-I-Klasse folgte nach einer mehrjährigen Pause die technisch weiterentwickelte Dolphin-II-Klasse, deren Auslieferung mit der »Tanin« im Jahr 2014 begann. Die im September nach Israel überführte »Drakon«, deren Bau im März 2012 fest vereinbart wurde und 2013 oder 2014 begann, war zwar noch als Teil der Dolphin-II-Klasse geplant, gilt aber heute allgemein als »technologische Brücke« zur nächsthöheren Dakar-Klasse, die im Januar 2022 ebenfalls bei TKMS bestellt wurde. Auch sie soll aus drei U-Booten bestehen, deren erstes 2031 geliefert werden soll; die anderen zwei sollen dann im Abstand von jeweils 18 Monaten folgen. Sie werden, so heißt es zumindest heute, die Schiffe der Dolphin-I-Klasse ersetzen. Ihr Bau in Kiel begann offiziell im November 2024.

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Im selben Monat fand die Taufe der »Drakon« statt, die damit vermutlich erstmals den israelischen und internationalen Medien offiziell so präsentiert wurde, dass die Journalisten einen Blick auf das U-Boot werfen konnten und ein paar oberflächliche, in Wirklichkeit nichtssagende Informationen zu hören bekamen. Das nächste Großereignis war am 22. Juli des laufenden Jahres die offizielle Übergabe des Schiffs an die israelische Marine.

Warum sind diese Daten wichtig? Weil das äußerlich wahrnehmbare Erscheinungsbild der »Drakon« im Grunde die einzige solide Grundlage für sämtliche Mutmaßungen über seine Ausrüstung und Funktion darstellt. Und was sieht man? Das U-Boot ist mit 73 oder 74 Metern – die Angaben variieren leicht – ein paar Meter länger als seine Vorgänger. Vor allem aber fällt sogar Journalisten, deren Vorkenntnisse im wesentlichen auf dem Sean-Connery-Film »Jagd auf Roten Oktober« (1990) beruhen, der außergewöhnlich große und hohe Turm der »Drakon« auf. Eine vermutlich plausible Hypothese interpretiert das als Hinweis auf vertikale Abschussanlagen für ballistische Raketen. Sie seien besser als die früher angenommenen Marschflugkörper aus horizontalen Torpedorohren geeignet, stark verbunkerte Anlagen zu zerstören.

Der umfassende Wechsel der israelischen Designplanung der »Drakon« sei 2018 erfolgt, glauben israelische Medien. Dass die Bauzeit des U-Boots weit über der normalen lag, ist offensichtlich. Die Kosten stiegen entsprechend. Sie werden jetzt auf 550 Millionen Euro geschätzt, von denen Deutschland 135 Millionen übernahm. Dem naheliegenden (und sachlich gut begründeten) Vorwurf des unlauteren Wettbewerbs begegnen Bundesregierungen routiniert mit der »besonderen deutschen Verpflichtung« gegenüber Israel.

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Erschienen in der Ausgabe vom 05.10.2026, Seite 8, Kapital & Arbeit

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