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Den Kampf weiterführen
Was Assata Shakur uns lehrte: Hommage an die vor einem Jahr verstorbene US-Bürgerrechtlerin
Wir würdigen das Leben und das Vermächtnis von Assata Shakur, die am 25. September 2025 im Alter von 78 Jahren verstorben ist. Über Zeit und Raum, über Generationen und nationale Grenzen hinweg reichen wir uns die Hände, um in ihrem Namen das Versprechen abzugeben, ihr Vermächtnis weiterzuführen.
Mit ihrem 1987 erschienenen Gedicht »Die Tradition« wies sie uns den Weg: Für unsere kollektive Befreiung müssen wir die Tradition des revolutionären Kampfes fortsetzen, Widerstand leisten gegen unsere Unterdrücker und die weltweit bestehenden repressiven Systeme zerschlagen. Wir müssen uns mit der Geschichte auseinandersetzen, unser Wissen weitergeben und uns organisieren. Wir müssen revolutionäre Ideen, revolutionäre Kunst und revolutionäre Bewegungen mit Leben erfüllen und uns in die lange Tradition des Befreiungskampfes der Unterdrückten auf der ganzen Welt stellen.
Auch wenn wir hier im besonderen das Leben und das Vermächtnis von Assata Shakur würdigen, sind wir uns dennoch bewusst, dass Freiheit nur kollektiv erkämpft werden kann. Jeder Aspekt ihres Lebenswegs – von ihrem politischen Engagement bis hin zu ihrer Befreiung aus den Kerkern des US-Gefängnissystems – war ein eindrucksvolles Zeugnis der Kraft und Möglichkeiten des kollektiven Kampfes. Wir feiern ihr Leben und würdigen damit all jene, die wie sie ihr Leben dem Kampf gewidmet haben. Dabei sollten wir jedoch nicht vergessen, dass sie einmal anmerkte, sie sei eine »widerwillige Kämpferin«. Sie habe diese Rolle angenommen, da dies »die einzig richtige Antwort auf die herrschenden Unterdrückungsverhältnisse« sei. »Ich hätte Bildhauerin, Gärtnerin oder Tischlerin werden können«, sagte sie, »aber ich kämpfe, weil ich das Leben liebe.«
Assata war in der Tat eine Künstlerin. Malen, Zeichnen und Musik waren für sie wesentliche Bestandteile ihres Lebens. Sie war in Havannas HipHop-Szene aktiv und organisierte das »Black August HipHop Festival« in Kuba, weil sie die Bedeutung dieses Genres schon früh erkannte. Ihre wunderbare Vielschichtigkeit spiegelt sich in ihrem gesamten Schaffen wider. Sie verfasste eine der bedeutendsten politischen Autobiographien der modernen Geschichte – ein Buch, das das Leben so vieler von uns verändert hat. Sie schrieb nicht einfach ihre Lebensgeschichte auf, sondern füllte die Seiten mit Poesie und kreativer, unkonventioneller Prosa. Assatas Leben und ihr Vermächtnis erinnern uns daran, dass Kultur und Kreativität unverzichtbare Bestandteile eines jeden revolutionären Kampfes sind.
Während Menschen auf der ganzen Welt im vergangenen September der Verstorbenen mit bewegenden Würdigungen gedachten, hetzte der FBI-Chef wütend gegen Assata und setzte die staatliche Dämonisierung schwarzer Frauen fort. Indem wir Assata verteidigen, verteidigen wir gleichzeitig alle radikalen Bewegungen, seien sie antirassistisch, abolitionistisch, feministisch, antizionistisch, antikapitalistisch oder antimilitaristisch. Vor allem verteidigen wir die Rechte schwarzer Frauen, einschließlich schwarzer queerer und trans Frauen, sich zu organisieren und führende Rollen innerhalb radikaler Bewegungen zu übernehmen – von der für reproduktive Gerechtigkeit bis hin zu politischen Kampagnen der Bewegungen für Solidarität mit Palästina, gegen den Krieg im Iran und jetzt insbesondere zur Verteidigung Kubas.
Assata auf integre Weise zu würdigen bedeutet, ihre unerschütterliche Ablehnung des globalen Kapitalismus in den Mittelpunkt zu rücken. Ihre Kritik am Patriarchat und an der Frauenfeindlichkeit müssen wir auch auf unsere eigenen Bewegungen beziehen. Unser Widerstand kann sich in vielfältigen Formen äußern, aber er muss prinzipientreu sein und darf sich nicht auf eine Politik der Anpassung an die gesellschaftlichen Verhältnisse reduzieren lassen.
Assata war und ist eine Inspiration für neue Generationen von Aktivisten. Das zeigt sich auch darin, dass sich viele von ihnen ein Zitat von Assata auf den Unterarm tätowieren lassen: »Es ist unsere Pflicht, für unsere Freiheit zu kämpfen. Es ist unsere Pflicht, zu siegen. Wir müssen einander lieben und unterstützen. Wir haben nichts zu verlieren als unsere Ketten.«
→ Übersetzung: Jürgen Heiser
→ Diese hier leicht gekürzte Hommage trugen Davis und Hill am 30. Mai 2026 gemeinsam auf der Gedenkveranstaltung für Assata Shakur vor. Shakur war Mitglied der Black Panther Party und der marxistischen Black Liberation Army. Als »Terroristin« vom FBI verfolgt, hatte sie 1984 in Kuba politisches Asyl erhalten. Dort verstarb sie am 25. September 2025. (jh)
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